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Zahnheilkunde 30. Jänner 2006

Gute Raumluftqualität ist keine Selbstverständlichkeit

Ein Chemikalienmanagement verringert gesundheitsschädliche Stoffe in Gebäuden

In den letzten Jahren wurde der Qualität der Innenraumluft vermehrt Augenmerk geschenkt. So besteht zum Beispiel seit 1999 im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (Lebensministerium) ein Arbeitskreis, der sich unter anderem mit der Erarbeitung von Richtwerten für die Innenraumluft beschäftigt. Darüber hinaus fand im Februar 2004 in Wien der 1. Internationale Kongress „Gesunde Raumluft“ statt, der vom Arbeitskreis Innenraumluft mit veranstaltet wurde. Auf dem Kongress wurde unter anderem berichtet, dass verschiedene Bauträger (z. B. Mischek) sich seit einigen Jahren im Rahmen der Errichtung oder des Umbaus von Gebäuden bemühen, durch ein entsprechendes Chemikalienmanagement etwa die Lösemittelbelastung zu verringern. Ein weiterer Vortrag lautete „Aufatmen mit dem Österreichischen Umweltzeichen“. Wer eine Praxis oder Wohnung z. B. renoviert, dem/der kann empfohlen werden, darauf zu achten, dass nach Möglichkeit Produkte mit dem Österreichischen Umweltzeichen verwendet werden.

Dass in einem „lösungsmittelfreien“ Produkt, etwa einem Lack, durchaus Lösemittel enthalten sein können, darauf wies DI Peter Tappler, Innenraum-Analytiker und Leiter des Arbeitskreises Innenraumluft, hin. „Im Sinne der Österreichischen Lösungsmittel-Verordnung bedeutet lösungsmittelfrei lediglich, dass keine organischen Lösemittel eingesetzt werden, die einen Siedepunkt unter 200 Grad haben“, so der Experte. Hoch siedende, schwer flüchtige Substanzen gelten daher nicht als Lösungsmittel. Generell werden heute von der Industrie in vermehrtem Ausmaß Verbindungen mit geringerer Flüchtigkeit eingesetzt. Dadurch verlängert sich die Zeitspanne, in der nach der Anwendung mit relevanten Emissionen zu rechnen ist (und in der verstärkt gelüftet werden sollte).

Auch Naturstoffe problematisch

Wichtig ist weiters zu bedenken, dass auch durch Naturstoffe Probleme auftreten können. Zwar ist die Verwendung des natürlichen Lösemittels Terpentinöl (kann durch seine Bestandteile wie Delta-3-Caren Allergien hervorrufen) stark rückläufig – laut Tappler haben die meisten Naturfarben-Hersteller Terpentinöl durch Zitrusschalen-Terpene (Limonen) oder synthetische Lösemittel ersetzt. Allerdings können auch Limonen beziehungsweise ihre Oxidationsprodukte Allergien und Schleimhautreizungen verursachen. Tappler: „Es ist auch nach wie vor zu beobachten, dass natürliche Lösungsmittel niedriger Qualität das in Innenräumen unerwünschte Terpen Delta-3-Caren in relevanten Konzentrationen enthalten.“ Wenn bei Holzwerkstoffen Harnstoff-Formaldehydharze als Leime verwendet werden, können beträchtliche Mengen an Formaldehyd in die Raumluft abgegeben werden. Solche Produkte sind für den Innenraum nicht geeignet, so Tappler. Zu bedenken sei auch, dass heute nur mehr wenige Handwerksbetriebe die Anwendung von Naturstoffen beherrschen, die besonders im Bereich von Beschichtungen nicht einfach ist. Tappler empfiehlt daher, immer zu prüfen, ob Oberflächenbeschichtungen wirklich unbedingt nötig sind. Bei der Auswahl von natürlichen Produkten können Prüfsiegel (z. B. natureplus) hilfreich sein. Zum Schutz der Gesundheit sollte auch der Einsatz von Duftstoffen kritischer betrachtet werden als bisher, wie das Umweltbundesamt Berlin kürzlich erneut betonte. „Einige Menschen reagieren sehr empfindlich auf Duftstoffe; für sie wird es immer schwieriger, sich diesen zu entziehen“, heißt es in einer Presseaussendung des Amtes. Den Einsatz von Duftstoffen gegen unangenehme Gerüche lehnt das Umweltbundesamt generell ab. Ein gesundes Innenraumklima lasse sich in der Regel durch ausreichendes Lüften und die Verwendung schadstoffarmer Möbel und Bauprodukte erreichen.

Garagengerüche in einer Arztpraxis

Unangenehme Gerüche können auch durch Luftströmungen in Gebäuden entstehen. So ist dem Innenraum-Analytiker Tappler ein Fall bekannt, in dem in einer Arztpraxis im 2. Stock eines zentral klimatisierten, multifunktionalen Gebäudes Garagengerüche auftraten. Die Mehrheit der Mitarbeiter der Ordination klagte während der Arbeitszeit über Kopfschmerzen, Antriebslosigkeit und Schleimhautreizungen, Krankenstände waren häufig. Tappler: „Untersuchungen mit Hilfe eines Tracergases ergaben, dass Garagenluft über Fugen in der Garagendecke zunächst in den Entlüftungsschacht gelangte und von dort über eine Öffnung zwischen dem Schacht und dem Luftraum oberhalb der Ordinations-Zwischendecke in die Raumluft der Arztpraxis. Da nach dem Verschließen der Öffnung (die einen Baumangel darstellte) das Tracergas weiterhin in der Ordination nachgewiesen werden konnte, musste ein zusätzlicher Durchtrittsweg bestehen. Durch weitere Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass der Frischluft-Blechkanal eine Öffnung an einer Stelle im Bodenbereich hatte. Es handelte sich dabei ebenfalls um einen Verarbeitungsfehler. Durch den vom Zuluftventilator verursachten Unterdruck wurde Garagenluft über Rohrdurchbrüche in die Klimazentrale und in den Frischluftkanal gesaugt. Von dort gelangte sie in die Arztpraxis.“ Für Geräte/Anlagen zur Klimatisierung beziehungsweise Lüftung sollte ein schriftlicher Service- und Wartungsvertrag mit einem befugten Gewerbebetrieb abgeschlossen werden. Die Filter sollten gemäß den Herstellerangaben beziehungsweise mindestens einmal jährlich getauscht werden.

Dr. Peter Wallner, Zahnarzt

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