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Pulmologie 28. September 2015

Dunkle Seite der Holzverbrennung

Feinstaub-Experten warnen vor Holzrauch aus kleinen Öfen.

Holz hat als nachwachsender Rohstoff ein gutes Image, im Vergleich zu Öl und Kohle sogar ein sehr gutes. Forscher warnen aber: Was gut fürs Klima ist, kann der Gesundheit und der Umwelt schaden. Und enthüllen: Holzrauch ist eine der wichtigsten Feinstaub-Quellen.

„Es gibt eine Tendenz dazu, Holz heiligzusprechen“, sagt Nino Künzli vom Schweizerischen Tropen- und Public Health Institut in Basel. Es werde immer klarer, dass durch Holzrauch viele Stoffe in die Lunge gelangen, die der Gesundheit schaden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Lungenkrankheiten verursachen können. Die Klimapolitik dürfe die Sorge um die Gesundheit nicht aushebeln, sagt der Wissenschaftler. Die Schadstoffe aus der Holzverbrennung seien genauso schädlich wie Verkehrsabgase.

Zur Relevanz: Laut Daten von Wilfried Winiwarter von der Kommission für Klima- und Luftqualität der Österreichischen Akademie der Wissenschaften aus dem Jahr 2012 beträgt der Anteil von Holzrauch am Feinstaub (PM 2,5) hierzulande 32 Prozent. Von dem über die Wintermonate in Wien anfallenden Feinstaub stammen ungefähr zehn Prozent aus der Verbrennung von Holz. Auf dem Land gehen diese Werte in Richtung 20 Prozent. In Tälern mit Inversionswetterlagen könne der Anteil auch weit höher sein, sagt Winiwarter. Spitzenwerte jenseits der 60 Prozent erreichen Gebiete in West-Montana und West-Indien.

Seit zehn Jahren widmet die Wissenschaft dem Holzrauch verstärkt ihre Aufmerksamkeit und seit 2008 gibt es erste Zahlen, die teilweise überraschend hohe, auf Holzverbrennung zurückgehende Schadstoffanteile aufweisen, sagt Andreas Petzold vom Forschungszentrum Jülich in Deutschland. Die Analysemethoden lassen Messungen in einem Umkreis von fünf Kilometern um die Verbrennungsquelle zu.

Besonders problematisch sind laut den Forschern kleine Hausöfen. Gerade bei solchen sogenannten „freien Handfeuerungen“ zahle es sich meistens nicht aus, Filteranlagen einzubauen. Auch brenne das Holz meist nicht unter idealen Bedingungen ab, Borke und Rinde enthalten zusätzliche mineralische Stoffe, die ebenfalls problematisch werden können.

Weit besser sei die Bilanz von Pelletsöfen und größeren Anlagen, Blockheizwerken, wo der reine Brennstoff automatisch zum jeweils besten Zeitpunkt eingebracht werden, sagt Thomas Kuhlbusch vom Institut für Energie- und Umwelttechnik in Duisburg. „Wenn eine Feuerung falsch betrieben wird, kommt Dreck heraus.“

Um den Anteil sauberer Anlagen zu erhöhen, brauche es strengere Grenzwerte, sagt der Umwelthygieniker Manfred Neubauer (MedUni Wien). Für Künzli ist die Gesamtschadstoffbelastung ein größeres Problem als lokale Grenzwertüberschreitungen.

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