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Lungengängiger Feinstaub scheint das Schlaganfallrisiko zu erhöhen. Hingegen hatte Ozon in der Studie kaum Einfluss auf die Inzidenz von Infarkten.
 
Allgemeinmedizin 27. April 2015

Mehr Schlaganfälle bei Smog

An Tagen mit besonders dicker Luft kann sich das Schlaganfallrisiko mehr als verdoppeln.

Inzwischen gibt es eine Reihe von Studien, die an Tagen mit schlechter Luftqualität eine erhöhte Inzidenz von kardiovaskulären Ereignissen belegen. Smog gilt daher als Risikofaktor für Infarkte aller Art. Forscher aus Edinburgh haben nun untersucht, wie gut die Evidenz hinsichtlich des Schlaganfallrisikos tatsächlich ist.

94 Studien wurden ausgewertet, in denen das kurzfristige Schlaganfallrisiko bei schlechter Luft überprüft wurde. Die Schlaganfallinzidenz wurde dabei mit der Luftqualität in den vergangenen, maximal sieben Tagen in Beziehung gesetzt. Insgesamt flossen 6,2 Millionen Daten zu Schlaganfällen aus 28 Ländern ein.

Die Wissenschaftler um Anoop Shah von der Universität in Edinburgh prüften dabei eine ganze Reihe von Schadstoffen, darunter Feinstaub, Kohlenmonoxid, Ozon, Stickoxid und Schwefeldioxid. Für fast alle ließ sich bei erhöhten Konzentrationen auch eine signifikant erhöhte Schlaganfallinzidenz nachweisen.

PM2,5-Staub besonders riskant

Für Feinstaub mit einer Partikelgröße unter 2,5 Mikrometer (PM2,5) fanden die Forscher eine Erhöhung des Schlaganfallrisikos um 1,1 Prozent pro 10 μg/m3 Luftkonzentration. Das klingt zunächst wenig, aber bei Spitzenbelastungen um 50 bis 100 μg/m3, wie sie auch hierzulande möglich sind, entspräche dies bereits einer Risikoerhöhung um 5–10 Prozent. In chinesischen Großstädten werden Werte bis zu 1.000 μg/m3 erreicht, hier wäre das kurzfristige Schlaganfallrisiko folglich doppelt so hoch wie in Reinluftgebieten.

Deutlich weniger gefährlich scheint PM10-Staub zu sein: Für diese Fraktion fanden die Forscher nur eine relative Risikoerhöhung um 0,3 Prozent pro 10 μg/m3. Allerdings ist die PM10-Konzentration in der Regel höher als die von PM2,5. Bei Inversionswetterlagen kann die Belastung in europäischen Städten auf über 200 μg/m3 steigen, ein Spitzenwert über 3.400 μg/m3 wurde etwa in der Neujahrsnacht 2008 in Berlin gemessen – hier waren Böller die Hauptursache. In jener Nacht war das Schlaganfallrisiko nach den britischen Daten also in etwa verdoppelt.

Risiko hält bis zu zwei Tage an

In der Metaanalyse von Shah et al. ließ sich eine akute Risikoerhöhung noch bis zu zwei Tage nach der Exposition gegenüber hohen Feinstaubwerten berechnen. Sie scheint dabei für ischämische und hämorrhagische Infarkte ähnlich stark ausgeprägt zu sein.

Gasförmige Schadstoffe

Am häufigsten wurden Stickstoffdioxidwerte in den Studien ermittelt. Eine Erhöhung um 10 ppb (parts per billion) geht mit einer Steigerung des Schlaganfallrisikos von im Mittel 1,4 Prozent einher. Die Stickstoffdioxid-Mittelwerte liegen in mitteleuropäischen Städten bei etwa 50 ppb, Spitzenwerte bei 400 ppb. Bei solchen Werten wäre mit einer Erhöhung des Schlaganfallrisikos um knapp 60 Prozent zu rechnen.

Für Schwefeldioxid konnten die Forscher eine Risikoerhöhung um 1,9 Prozent pro 10 ppb feststellen. Die Jahresmittelwerte liegen in Deutschland in der Regel deutlich unter 50 ppb, während Smog-Wetterlagen allerdings bei bis zu 800 ppb. Eine solche Konzentration hätte nach den Daten von Shah et al. eine Erhöhung des Schlaganfallrisikos um etwa 150 Prozent zur Folge.

Auch für hohe Kohlenmonoxid-Werte ließ sich ein Zusammenhang mit der Schlaganfallinzidenz nachweisen, für Ozon jedoch kaum.

Insgesamt zeigte sich bei den gasförmigen Schadstoffen wie beim Feinstaub ein zeitlicher Zusammenhang mit den Spitzenwerten: Schlaganfälle traten gehäuft an Tagen mit hoher Belastung sowie einen Tag später auf, danach schwächte sich der Zusammenhang deutlich ab. Auch scheint sich bei einer hohen Belastung das Risiko für einen ischämischen und einen hämorrhagischen Insult gleichermaßen zu erhöhen.

Partikel gelangen in den Blutkreislauf

Welche der Schadstoffe letztlich zur Steigerung des Schlaganfallrisikos bei Smog beitragen, lässt sich aus dieser Metaanalyse aber nicht eruieren, da in der Regel alle diese Stoffe an Smogtagen Spitzenwerte erreichen. Sie sind also eher Marker für eine schlechte Luftqualität. Dennoch vermuten die Forscher um Shah, dass vor allem die PM2,5-Belastung das Schlaganfallrisiko erhöhen könnte. Zum einen ist der Zusammenhang deutlicher als bei den PM10-Werten, zum anderen sind diese Partikel offenbar klein genug, um über die Lunge in den Blutkreislauf zu gelangen. In Experimenten genügten bereits winzige Mengen für die Veränderung der zerebrovaskulären Hämodynamik. Dabei kam es vermehrt zur Vasokonstriktion und zu verringertem zerebralem Blutfluss.

Originalpublikation: Shah A et al. Short term exposure to air pollution and stroke: systematic review and meta-analysis. BMJ 2015; 350: h1295 

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