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Umweltmedizin 16. März 2015

Röchelnde Städte

Gefährlicher Smog in Mega-Städten schadet auch Touristen.

Die Luftverschmutzung in vielen Mega-Städten von Schwellenländern gefährdet auch die Gesundheit Reisender. Vor allem bei längeren Aufenthalten sind Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten, raten Ärzte.

Schnell wachsende Industrie, massiver Verkehr, Heizungsabgase und Verbrennung von Müll aus Millionen von Haushalten – die Entwicklung vieler Metropolen vor allem in Asien raubt den Menschen die Luft zum Atmen. Mit ernsten Gesundheits-Folgen: Durch die Verschmutzung mit Feinstaub und Schadstoffen wie Schwefeldioxid, Kohlenstoffmonoxid und Ozon nehmen Herz- und Lungenkrankheiten sowie Schlaganfälle bei den Einwohnern der ausufernden Metropolen deutlich zu.

Die WHO schätzt, dass allein im Jahr 2012 die Luftverschmutzung weltweit rund 3,7 Millionen vorzeitiger Todesfälle verursacht hat.

Chronisch Kranke gefährdet

Aber auch für Reisende ist der Smog ein gesundheitliches Risiko, betont das Centrum für Reisemedizin (CRM) in einer Mitteilung zum 16. Forum Reisen und Gesundheit. „Bei kurzfristigen Aufenthalten in Regionen mit massivem Smog sind besonders Menschen mit chronischen Lungen- oder Herz-Kreislaufkrankheiten gefährdet“, wird Dr. Axel Telzerow vom Reisemedizinischen Zentrum der B.A.D. Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik in Frankfurt am Main zitiert.

Ebenso sollten Schwangere und Familien mit kleinen Kindern nur kurze Stadtaufenthalte einplanen, sich im Freien nicht anstrengen und sich oft in Innenräumen aufhalten. Wichtig ist auch, in Hotels mit hochwertigen Klimaanlagen mit Filterfunktion zu übernachten.

„Bei längeren Aufenthalten steigt auch bei gesunden Menschen das Risiko, Herz- und Lungenkrankheiten zu entwickeln.“ Deshalb sollten körperliche Anstrengungen wie Sport im Freien vermieden werden. Rauchen belastet die Lungen noch zusätzlich und sollte ebenfalls möglichst unterbleiben. „In Zeiten extremen Smogs greifen auch Einheimische oft zu Atemschutzmasken“, sagt Telzerow. Dies sei bei deutlicher Feinstaubbelastung auch für Reisende zu empfehlen. „Sie sollten dabei unbedingt darauf achten, partikelfilternde Masken nach der Europäischen Norm EN 149 zu verwenden und nicht etwa einfache Hygienemasken – letztere sind gegen Feinstaub nutzlos.“

Grenzwerte vielfach überschritten

Feinstaub gelangt durch Abgase und Industrieemissionen aber auch durch Bodenerosion in die Luft. Unterschieden wird zwischen Feinstaub mit Partikeln bis maximal 10 Mikrometer (PM 10) und ultrafeinem Feinstaub, bei dem die meisten Partikel kleiner als 2,5 Mikrometer sind (PM 2,5). Wegen der gesundheitlichen Risiken des Einatmens von Feinstaub gibt die WHO Grenzwerte vor. So liegt der Grenzwert für Feinstaub PM 10 bei 20 μm/m³ im Jahresmittel.

Eine Zusammenstellung der WHO zeigt, dass diese Grenzwerte in vielen Städten der Welt regelmäßig um ein Vielfaches überschritten werden. Besonders betroffen sind Ballungsräume in China, der Mongolei, Indien, Brasilien sowie in einigen Ländern des Nahen Ostens und Afrikas. Im Zeitraum 2008 bis 2012 lagen die Jahresmittelwerte in Delhi bei 280 μg/m³, in Peking bei 125 μg/m³ und in Abu Dhabi bei 170 μg/m³. Zum Vergleich: In europäischen Städten wie Rom und Warschau lag der Jahresmittelwert bei etwa 35 bis 40 μg/m³.

Gefahr durch ultrafeine Partikel

„Je kleiner die Partikel sind, desto gefährlicher“, sagt Telzerow. Ultrafeine Partikel dringen tief in die Atemwege ein und gelangen bis ins Blut. „Sie lösen Entzündungsprozesse in den Lungen aus, beeinflussen die Blutgerinnung und die Regulierungsfunktion des vegetativen Nervensystems“, erläutert der Reisemediziner. Lokale Reizungen der Schleimhäute, Atemwege und Bronchien bis hin zu Herzinfarkten, Schlaganfällen und Lungenkrebs können die Folgen sein.

Einige Studien sehen sogar einen Zusammenhang zwischen Feinstaubbelastung und Störungen der kognitiven Wahrnehmung sowie der Entwicklung einer Demenz. Der Grund: Ultrafeine Partikel könnten durch die Nase über die Bluthirnschranke hinweg bis ins Gehirn gelangen und es schädigen.

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