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© Bernard MAURIN / Fotolia
Bei Gebäudeabrissen tauchen immer noch Asbestplatten auf, die entsorgt werden müssen.
 
Pulmologie 24. Oktober 2014

Späte Schäden durch Asbest

Immer mehr junge Menschen erkranken am Pleuramesotheliom.

Die gesundheitsschädigenden Wirkungen von Asbest führten in den letzten Jahren zu einer Zunahme von Rippenfellkrebserkrankungen. Ein neues interdisziplinäres Forschungslabor soll hier zu wissenschaftlichen Fortschritten in der Behandlung führen.

Am Comprehensive Cancer Center Vienna der MedUni Wien und des AKH Wien gibt es seit einigen Jahren eine interdisziplinäre Forschungskooperation mit Fokus auf translationale thorakale Onkologie. Forschungsschwerpunkt ist neben Lungenkrebs vor allem der Rippenfellkrebs (Pleuramesotheliom).

Michael Grusch vom Institut für Krebsforschung der Med Uni Wien sagt: „Bis vor kurzem galt das Pleuramesotheliom als seltene Erkrankung. Das ändert sich leider gerade. Eine der Hauptursachen für das Entstehen der Krankheit ist Asbest. Durch die lange Inkubationszeit der Krankheit treten jetzt erst die Schäden zutage, die vor 20, 30 Jahren entstanden sind. Eine seriöse Studie prognostiziert, dass bis 2029 in Europa 250.000 Menschen an Rippenfellkrebs sterben werden.“

Thoraxchirurg Mir Alireza Hoda meint: „Was uns zu denken gibt, ist, dass wir vermehrt junge Patienten zwischen 30 und 50 Jahren sehen. Früher waren hauptsächlich Menschen über 65 Jahre betroffen.“

Das Pleuramesotheliom wird mit einer Kombination aus Chemotherapie, Chirurgie und Strahlentherapie behandelt. Hoda: „Unser Ziel ist es, Marker für das Mesotheliom zu finden und personalisierte Behandlungsansätze zu entwickeln. Noch gibt es keine, aber sie würden uns helfen, die entsprechenden Therapien für die jeweiligen Patienten auszuwählen.“ Das könnte den Therapieerfolg entscheidend verbessern, denn zurzeit beträgt das durchschnittliche Überleben nach der Diagnose rund neun bis zwölf Monate.

Die Zusammenarbeit zwischen der klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien und des AKH Wien und dem Institut für Krebsforschung der MedUni Wien im Rahmen des Comprehensive Cancer Centers (CCC) Vienna besteht seit fünf Jahren. Mit einer Reihe von Toppublikationen und einer einzigartigen Zellkulturbank konnte das ambitionierte Expertenteam auch international auf sich aufmerksam machen. Seit kurzem gibt es nun ein eigenes Forschungslabor, das im Anna-Spiegel-Forschungsgebäude angesiedelt ist: das Labor für Translationale Thorakale Onkologie.

Erste thorakale Tumorzellbank

Um Rippenfellkrebs besser verstehen zu lernen, haben die Mitglieder des Labors eine der weltweit größten Zellkulturbanken auf diesem Gebiet geschaffen. Dabei werden sowohl Blut- und Gewebeproben gesammelt als auch Zellkulturen angelegt. Das ermöglicht den Wissenschaftlern umfangreiche funktionelle Untersuchungen von Proteinen und Genen. Molekularbiologe Balazs Hegedüs: „Unsere Arbeit ist sehr breit aufgefächert. Wir bearbeiten von der Genetik bis zur Beurteilung von Therapien alle Aspekte der Erkrankung. So können wir Erkenntnisse aus der Klinik nun im Labor überprüfen und umgekehrt die Ergebnisse der Grundlagenforschung unmittelbar in der Klink anwenden. Es gibt bei uns also keine Trennung zwischen Grundlagenforschung und klinischer Forschung. Das gewährleistet einen fruchtbaren Boden für Neuentwicklungen.“

Internationale Erfolge

Die Ergebnisse der Forscher können sich auch im internationalen Vergleich sehen lassen. Zahlreiche Publikationen, einige erfolgreich eingeworbene Grants und Preise sowie Forschungskooperationen belegen, wie produktiv die Gruppe ist. Dabei legt man Wert auf internationale Kooperationen, zum Beispiel mit den Universitäten von Sydney, Zürich, Zagreb, Budapest oder Phoenix, Arizona. Walter Klepetko, Leiter der Abteilung für Thoraxchirurgie, dazu: „Durch unsere Arbeit haben wir es geschafft, unser Haus international sichtbar zu machen und als kompetentes Schwerpunktzentrum zu positionieren. Unser Ziel ist es, der Ansprechpartner für Rippenfellkrebs in Zentral- und Osteuropa zu werden. Die steigende Zahl der nationalen und internationalen Patienten zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

MedUni Wien, Ärzte Woche 44/2014

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