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Lithium, das in der Psychiatrie seit Jahrzehnten verschrieben wird, gelangt über Ausscheidung ins Grundwasser und wird in den Kläranlagen weder herausgefiltert noch abgebaut. So gelangt das Leichtmetall ins Trinkwasser und entfaltet seine Wirkung.
 

Lithium im Trinkwasser senkt Suizidrate ...

... möglicherweise auch durch Arzneimittel-Rückstände

Eine bereits im Juni 2011 an der MedUni Wien durchgeführte Studie hat gezeigt, dass im Trinkwasser enthaltenes Lithium die Suizidrate senken könnte. Bisher waren die ForscherInnen davon ausgegangen, dass es sich zum überwiegenden Teil um natürlich enthaltenes, aus Gestein herausgewaschenes Lithium handelt. Neue Daten legen nahe, so Nestor Kapusta von der Universitätsklinik für Psychoanalyse und Psychotherapie der MedUni Wien, dass sich auch Rückstände von Lithiumverschreibungen im Grundwasser befinden.

Kapusta: "Das Leichtmetall Lithium wird seit 60 Jahren in der Psychiatrie als Stimmungsstabilisierer und zur Depressionsprophylaxe eingesetzt. Es gelangt damit auch über Ausscheidungen ins Grundwasser bzw. wird es in den Kläranlagen nicht herausgefiltert." Der Psychiater geht davon aus, dass es in Regionen mit hohen Lithiumverschreibungszahlen eine Art "Kohortenschutz" geben kann: "Eine hohe Psychiater-Dichte und hoher Verabreichungsgrad könnten für mehr Lithium im Trinkwasser sorgen, was sich auch bei unbehandelten Personen positiv auswirken könnte." Jakob Klein aus der Suicide Research Group an der MedUni Wien arbeitet gerade an dieser Studie.

Hohe Lithiumwerte im Trinkwasser bedeuten niedrigere Suizidrate

Schon in der Studie vor zwei Jahren war anhand von 6.460 Trinkwasserproben in 99 österreichischen Bezirken festgestellt worden, dass hohe Lithiumwerte im Trinkwasser mit einer tendenziell niedrigeren Suizidrate in der Region einhergehen. Dies deutet darauf hin, dass Lithium bereits als Spurenelement messbare Effekte hat. Kapusta: "Manche Forscher behaupten mittlerweile, dass Lithium essenziell für den Menschen sein könnte."

Dass die Anreicherung von Medikamenten im Trinkwasser zunehmend ernst zu nehmen ist, zeigt auch eine aktuelle Studie aus den USA, in der die Verunreinigung des Grundwassers und des Trinkwasser aus der Leitung durch zahlreiche Medikamentenrückstände nachgewiesen wurde. Kapusta: "Im Fall von Lithium wäre es ja ein potenziell positiver Effekt. Dennoch wäre es verfrüht, zu fordern, dass man dem Trinkwasser Lithium beigeben sollte. Dazu ist dringend weitere Forschung nötig." Obschon bei derartig niedrigen Lithiumwerten im Trinkwasser keine Nebenwirkungen im Vergleich zu therapeutischen Dosen (u.a. Nieren- und Schilddrüsenbeschwerden) zu erwarten sind, fehlen diesbezügliche Studien.

Kapusta: "Lithium ist zunächst kein Wundermittel, auch wenn manche Berichte es so darstellen." So wurde festgestellt, dass das Leichtmetall zwar anregend auf das Wachstum neuer Gehirnzellen wirkt, nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bereits bei Embryos. Es ist jedoch noch unklar, wie sich eine systematische Exposition gegenüber dem Spurenelement bei Schwangeren und Kindern auswirkt. Da wäre dringend weitere Basisforschung nötig und von einer Supplementation vorerst abzuraten, so der MedUni Wien-Experte.

Lithium gegen Demenz?

Auch in der Behandlung von Alzheimer bzw. Demenz könnte Lithium eine Bedeutung erlangen: Das Element scheint sich in der Gehirnsubstanz einzulagern, nämlich stärker in der weißen als in der grauen Gehirnsubstanz. Umgekehrt ist bekannt, dass Menschen die eine Lithiumtherapie erhalten, mehr graue Substanz erzeugen. "Die Alzheimer-Erkrankung ist unter anderem mit einem Abbau und Veränderungen der weißen Substanz assoziiert, denen Lithium entgegen wirken könnte", sagt der MedUni Wien-Forscher.

Service

Kongress der World Psychiatric Association (WPA) in Wien

Von 27. bis 30. Oktober 2013 findet im Austria Center Vienna der WPA-Kongress statt. Nestor Kapusta ist einer der MedUni Wien-ForscherInnen, die dort referieren werden. Detaillierte Infos und Programm: http://www.wpaic2013.org

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