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Kardiologie 21. Oktober 2013

Mehr Infarkte in der Einflugschneise

Die Lärmbelastung im Bereich von Flughäfen hat offenbar weitreichende Folgen für die Gesundheit.

Bei einer Untersuchung der Bewohner aus dem Bereich des Londoner Flughafens Heathrow zeigte sich ein Zusammenhang zwischen hohen Fluglärmpegeln und der Zahl der Klinikeinweisungen wegen kardiovaskulärer Erkrankungen sowie entsprechenden Sterbefällen in den Jahren 2001 bis 2005.

Die meisten aussagekräftigen Studien, in denen die Auswirkungen von Fluglärm auf Anwohner untersucht wurden, beschäftigten sich bislang mit dem Hypertonierisiko. Ein britisches Forscherteam nutzte jetzt die Daten von rund 3,6 Millionen Einwohnern aus zwölf Gemeinden und neun Distrikten westlich von London, die dauerhaft dem Fluglärm von London Heathrow Airport ausgesetzt waren. Die Wissenschaftler analysierten in unterschiedlich lärmbelasteten Gegenden die Zahl der Klinikeinweisungen wegen Herz- und Gefäßerkrankungen sowie das kardiovaskuläre Mortalitätsrisiko. Maximal zwei Prozent der Studienbevölkerung lebte in Gebieten mit dem höchsten Fluglärmpegel (während des Tages > 63 dB, in der Nacht > 55 dB).

Es zeigte sich ein signifikanter linearer Zusammenhang zwischen dem Lärm bei Tag und Nacht und der Zahl der stationären Behandlungen wegen Herz- und Gefäßerkrankungen. Der Vergleich zwischen Gebieten mit dem stärksten Fluglärm am Tag und den am geringsten belasteten Landstrichen (> 63 dB vs = 51 dB) machte die Gefahr für die Bewohner der lauten Gegenden deutlich: relatives Risiko 1,24 für eine Klinikeinweisung wegen Schlaganfall, 1,21 wegen KHK und 1,14 wegen kardiovaskulärer Erkrankung. Ähnliche Zusammenhänge zeigten sich bei den Mortalitätsraten (Schlaganfall 1,21, KHK 1,15 und kardiovaskuläre Erkrankung 1,16.). Bei der Berechnung wurden Variable wie Alter, Geschlecht, Ethnie, Rauchen, Luftverschmutzung und Straßenlärm berücksichtigt.

Erhöhter Stresshormonspiegel

Fluglärm kann neuroendokrine Systeme aktivieren, sodass die Herzfrequenz und der Blutdruck ansteigen und vermehrt Stresshormone ausgeschüttet werden. Solche Mechanismen könnten die Basis für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko bilden, insbesondere dann, wenn die Lärmbelastung permanent vorhanden ist. Dass die Zahl der Hypertoniker mit steigenden Lärmpegeln wächst, wurde bereits in mehreren Studien gezeigt. Bevor allerdings kausale Schlüsse gezogen werden können, so die Autoren, müssen die gesundheitlichen Auswirkungen des Fluglärms am Tag und in der Nacht in weiteren Studien untersucht werden. Denn neben diesen direkten Zusammenhängen seien weitere Einflussfaktoren möglich. Dennoch sollten politische Entscheidungen zum Bau und Ausbau von Flughäfen nach Ansicht der Autoren neben wirtschaftlichen Vorteilen immer auch mögliche Gefahren für die Gesundheit der Anwohner berücksichtigen.

Originalpublikation: Hansell AL et al. BMJ 2013, online ; 347: f5432

springermedizin.de, Ärzte Woche 43/2013

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