zur Navigation zum Inhalt
Naturseifen ohne antimikrobiellen Zusätze.
 
Allgemeinmedizin 14. August 2012

Verbreiteter antibakterieller Zusatzstoff schwächt Mäuse-Muskeln

Tierversuche zeigen schädliche Wirkung von Triclosan.


Die in antibakteriellen Seifen und zahlreichen anderen Konsumprodukten enthaltene Chemikalie Triclosan kann die Muskelfunktion drastisch beeinträchtigen. Darauf deuten Versuche US-amerikanischer Forscher mit Mäusen, Fischen und Zellkulturen hin.

 

Schon nach Einnahme einer einzigen Dosis Triclosan sei die Herzleistung bei den Mäusen um 25 Prozent gesunken. Die Tiere hätten zudem 18 Prozent weniger Greifkraft in den Pfoten gehabt als zuvor, berichten die Forscher nun im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences.

"Die Wirkung von Triclosan auf die Herzfunktion war wirklich dramatisch", sagt Mitautor Nipavan Chiamvimonvat von der University of California in Davis. Obwohl diese Chemikalie nicht als Arzneimittel gelte, wirke sie wie ein starker Betablocker. Versuche mit Muskelzellen zeigten, dass die Chemikalie die Kommunikation zwischen zwei Eiweißen eines wichtigen Ionenkanals stört und dadurch den Muskel schwächt. Dieses Ergebnis sei überraschend, denn Triclosan sei weit verbreitet und bereits ausgiebig auf seine Giftigkeit hin getestet worden.

Möglicherweise Gesundheits- und Umweltschädlich


Die neuen Ergebnisse belegten nun aber, dass Triclosan sowohl für die Gesundheit als auch für die Umwelt schädlich sein könnte, warnen die Wissenschafter. "Triclosan findet sich heute in nahezu jedem Haushalt und ist auch in der Umwelt verbreitet", erklärt Studienleiter Isaac Pessah. Es sei in antibakteriellen Pflegeprodukten wie Seifen, Deodorants, Mundspülungen und Zahnpasta, aber auch in Matratzen, Textilien, Müllbeuteln oder sogar Spielzeug enthalten. In Europa darf es seit 2010 in Materialien, die direkt mit Nahrung in Berührung kommen, nicht mehr eingesetzt werden.

Spuren von Triclosan seien bereits im Blut und in der Muttermilch von Menschen nachgewiesen worden, aber auch in Gewässern und Fischen, schreiben Pessah und seine Kollegen. In den Tierversuchen zeigte das Triclosan seine muskelschwächende Wirkung bereits bei Konzentrationen, wie sie auch im menschlichen Blut nachgewiesen wurden.

Unerwünschte Wirkung beim Menschen nicht bewiesen


Zwar müsse man erst noch testen, ob die Chemikalie beim Menschen ähnlich wirke wie bei den Mäusen und Fischen, doch sei es sehr wahrscheinlich, dass Triclosan auch für die menschliche Gesundheit eine Gefahr darstelle, sagen die Forscher. "Die Behörden sollten daher sehr genau prüfen, ob diese Substanz wirklich weiterhin in Konsumprodukten verwendet werden darf", konstatieren Pessah und seine Kollegen.

  • Frau Christine Esch, 15.08.2012 um 11:23:

    „Erschreckend, wie schnell aufgrund von Tierversuchen eine Panik losgetreten werden kann: Eine Substanz zeigt bei Mäusen und Fischlarven eine Wirkung, die bisher noch nie beobachtet wurde, obwohl diese Substanz in unserem täglichen Leben weit verbreitet ist. Die Forscher geben selbst zu, dass bisher noch gar nicht klar sei, ob die Substanz bei Menschen so wirke wie bei Mäusen und Fischen. Wären nicht Studien mit freiwilligen Probanden ein viel sinnvollerer erster Schritt gewesen, bevor man Tieren, die wahrscheinlich ganz anders darauf reagieren, die Chemikalie spritzt? Schließlich handelt es sich hier nicht um eine unbekannte, möglicherweise hochtoxische Substanz, sondern um einen Inhaltsstoff von Zahnpasta und Seife (wie furchterregend)! Stattdessen – same procedure wie leider allzu oft – grausame und tödliche Tierversuche (Spritzen in den Herzbeutel!), keine verlässliche Aussage für den Menschen, mediale Panikmache. Das ist einfach nur überflüssig! Christine Esch, Tierärztin, Stuttgart“

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben