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Umweltmedizin 30. Oktober 2010

Experte fordert: Winterzeit abschaffen

Die Sommerzeit abschaffen, den Arbeitsbeginn der individuellen Chronobiologie anpassen oder zur Mittagszeit Schlafpausen einlegen. Experten haben unterschiedlichste Meinungen. Neu ist jetzt der Vorschlag bei der Sommerzeit zu bleiben. Diese Idee eines Experten vom Londoner Policy Studies Institute macht in England gerade die Runde. "Wir sollten die Sommerzeit weiterführen und im Frühling die Uhr zusätzlich um eine Stunde nach vorne stellen. Das wäre die billigste Gesundheitsmaßnahme", behauptet Mayer Hillman, der sich in seiner Studie allerdings speziell auf Schottland bezieht. Chronobiologen können dem Vorschlag - zumindest für die deutschsprachigen Länder - nichts abgewinnen.

Mehr freie Stunden bei Tageslicht



Den Vorteil eines Beibehaltens der Sommerzeit sieht Hillman darin, dass damit die verfügbaren Stunden mit Tageslicht steigen und Menschen mehr Zeit im Freien verbringen. "Die meisten Aktivitäten im Freien kann man nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr machen. Viele haben Angst, bei Dunkelheit noch hinauszugehen und auch Kinder dürfen dann nicht mehr draußen spielen." Fehlende Aktivität im Freien führe zu weniger Bewegung, eine der Hauptursachen für chronische Krankheiten. Beginne der Tag im Winter eine Stunde früher, so würden davon vor allem die Jüngsten und ältere Menschen profitieren.

Pro Jahr würde diese Verschiebung der Abenddämmerung nach hinten schottischen Erwachsenen 300 zusätzliche Stunden für mögliche Aktivitäten im Freien bescheren, Kindern 200. Neben der Körpergesundheit hätte das auch Vorteile für die Psyche, zudem sieht der Experte in seinen Berechnungen dadurch auch weniger Straßenunfälle, Kriminalität und Stromverbrauch, und Großbritannien würde Zentraleuropa nicht mehr wie bisher um eine Stunde nachhinken. Entsprechende Parlamentsvorschläge sind allerdings schon 1995 und 2006 nicht durchgegangen.


Keine gute Idee



"Bitte nicht!", so der eindeutige Kommentar von Christian Cajochen, Leiter des Zentrums für Chronobiologie der psychiatrischen Universitätsklinik Basel gegenüber pressetext. Biologisch wichtiger als Freizeit vor der Abenddämmerung sei das Aufstehen mit der Morgensonne. Den Tag eine Stunde vorzuverlegen ist für Cajochen daher kontraproduktiv für die Gesundheit. "Besonders Schüler stehen schon jetzt viel zu früh auf. Das erkennt man auch daran, dass sie am Wochenende oder in den Ferien automatisch länger schlafen, wozu es gar keinen Diskothekbesuch am Vorabend braucht."

Im Gegensatz zum Sommerzeit-Beginn im Frühling ist die Rückkehr zur "Normalzeit" für die meisten problemlos. "Eine Stunde länger zu schlafen ist bequem. Zumindest für einige Wochen gibt es morgens plötzlich wieder Licht. Zudem rotiert der Rhythmus dabei nach vorwärts statt nach hinten, was ungesünder wäre. Nur extreme Frühaufsteher sind schon zu früh wach", so Cajochen. Kaum Bedeutung hat die Sommerzeitregelung übrigens für das einst beabsichtigte Energiesparen. Die Vorverlegung der Hauptheizzeit kostet mehr Energie als Strom für Beleuchtung gespart wird.

>> Hillmans Studie als PDF

pte

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