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Die Gräserblüte bedeutet für viele von März bis Juli eine erhebliche gesundheitliche Belastung. Für Gräserallergiker gibt es die Allergieimpfung auch in Tablettenform – bereits für Kinder ab fünf.

Vier Belastungswellen: Auf- und wieder Verblühen von Pflanzenarten führen zu alljährlich wiederkehrenden Phasen von allergischen Beschwerden.

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Prim. Dr. Waltraud Emminger Ärztliche Leiterin des Allergie-Ambulatoriums Rennweg

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Uwe E. Berger, MBA Leiter Österreichischer Pollenwarndienst, Aerobiologie MedUni Wien

 
HNO 30. März 2010

Pollen-Allergie: Tagebuch führen

Nach dem langen Winter beginnt spät, aber doch die Zeit der juckenden Augen und triefenden Nasen.

Es ist nun höchste Zeit, Patienten auf die Führung ihres Pollen-Tagebuchs zu erinnern. Im Vorjahr nutzten 4.000 Menschen mit einer Allergie das Online-Service des Österreichischen Pollenwarndienstes, das auch für behandelnde Ärzte eine gute Hilfe hinsichtlich der Verlaufskontrolle von Pollenallergikern darstellt. Selbsttests für Kinder und Erwachsene und die Möglichkeit, sich am Ende der Saison an der Wiener HNO-Universitätsklinik beraten zu lassen, runden das Angebot ab.

Der Doyen des Österreichischen Pollenwarndienstes, Prof. Dr. Siegfried Jäger, wagt eine Prognose für dieses Jahr: „Die Pollenkonzentration wird regional unterschiedlich sein. Im Norden und Westen wird die Saison schwächer als im Vorjahr, im Osten und Süden hingegen wird eine überdurchschnittlich starke Pollenbelastung erwartet.“ Zu den wichtigsten Allergieauslösern zählen die Pollen von Gräsern, Bäumen wie Birke, Erle und Hasel sowie von Korbblütlern wie Ragweed und Beifuß. Als erste werden Erle und Hasel spürbar werden (siehe Grafik). Vor allem die Intensität der Haselpollen wird heuer stärker sein als im Vorjahr und sogar über dem langjährigen Schnitt liegen, prognostiziert der Pollenspezialist. Danach folgen Birken mit ihrer Blüte. Der Start der Birkenpollensaison sei heuer Anfang April zu erwarten.

Im Mai startet die Gräserpollensaison in Österreich. Aufgrund der Artenvielfalt dauert die Saison in etwa zwei Monate. Gräserpollen sind bei weitem das wichtigste Pollenallergen. Wie sich die Gräserpollensaison in diesem Jahr entwickeln wird, ist derzeit noch nicht vorhersehbar. Das Wetter im Mai und Juni entscheidet, wie sehr Allergiker heuer durch Gräserpollen geplagt werden. Jedoch gibt es kaum große Schwankungen von einem Jahr auf das andere. Auch für die Ragweedsaison ist eine Vorhersage erst im Mai oder Juni möglich.

Eine exakte, tagesaktuelle Pollenvorhersage sowie einen Countdown, wann in welcher Region mit welchen Belastungen zu rechnen sein wird, kann auf www.pollenwarndienst.at abgerufen werden.

Frühe Diagnose wichtig

Allergien werden unterschätzt, zu spät diagnostiziert und sind untertherapiert. Untersuchungen zeigen, dass bei knapp der Hälfte aller Heuschnupfen-Betroffenen noch nie eine ärztliche Diagnose gestellt wurde und durchschnittlich sechs bis neun Jahre vergehen, bis eine Allergie endgültig diagnostiziert wird. „Die rechtzeitige Diagnose spielt bei Allergien allerdings eine entscheidende Rolle“, weiß Prim. Dr. Waltraud Emminger, ärztliche Leiterin des Wiener Allergie-Ambulatoriums Rennweg. „Je früher eine allergische Atemwegserkrankung erkannt wird, desto eher kann sie adäquat therapiert und eine Verschlechterung bzw. Chronifizierung der Beschwerden verhindert werden.“

Erste Hinweise sammeln

Ein Hilfsmittel für die Früherkennung allergischer Erkrankungen ist der klinisch geprüfte Allergie-Screening-Fragebogen (ASF), den es für Erwachsene und seit kurzem auch für Kinder unter zwölf Jahren gibt. Mit einfachen Fragen kann rasch in einem ersten Schritt abgeklärt werden, ob Beschwerden allergisch bedingt sind (siehe Link-Hinweise). Je höher die Punktezahl, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für eine allergische Erkrankung. Für Kinder sollten ab einem Scorewert von über neun Punkten, für Erwachsene bereits bei über sechs Punkten weitere diagnostische Maßnahmen eingeleitet werden. Ab diesen Schwellenwerten wird eine genaue Abklärung durch einen Allergiespezialisten (Facharzt für Haut-, Lungen- oder HNO-Erkrankungen, Kinderfacharzt, Allergieambulatorium oder Allergieambulanz im Krankenhaus) empfohlen.

Ursachen finden

Ein Online-Service des Pollenwarndienstes macht es einfach, Zusammenhänge zwischen Pollenkonzentration und den individuellen Beschwerden zu erkennen. Bereits im ersten Jahr des kostenlos nutzbaren Pollentagebuchs haben sich über 4.000 Personen registriert. „Die Ergebnisse geben den Patienten Aufschluss über den Einfluss eines Ortswechsels, lassen erkennen, welche Pollen tatsächlich für die Beschwerden an Augen, Nase oder Lunge verantwortlich sind, ab welcher Pollenmenge die Allergie spürbar wird und ob die Therapie den erwünschten Effekt erzielt“, erklärt Uwe E. Berger, Leiter des Österreichischen Pollenwarndienstes sowie der Forschungsgruppe Aerobiologie an der Universitäts-Klinik für HNO-Krankheiten in Wien. Voraussetzung für eine aussagekräftige Auswertung ist freilich die tägliche Eingabe der Daten. Nach dem Ende der Saison gibt es eine Auswertung auf Knopfdruck. „All jenen, die einen detaillierten Bericht oder Erklärung wünschen, bieten wir ab Ende dieses Sommers an der Wiener HNO-Klinik nach Terminvereinbarung eine persönliche Beratung an“, erzählt Berger.

Wissenschaftliche Auswertung

Die Daten des ersten Jahres liegen nun vor. Von mehr als 4.300 Teilnehmern wurden 987 einbezogen, jene, die zehn oder mehr Einträge ins Tagebuch getätigt haben. Mithilfe dieser Auswertung soll eine Verfeinerung der Vorhersagen möglich werden und der wissenschaftliche Beweis für die Existenz und Größe von Schwellenwerten in verschiedenen Regionen erbracht werden. Die Untersuchung ist zudem integraler Teil einer EU-Studie zur Erforschung des Allergengehalts der Luft (HIALINE) in zwölf europäischen Zentren sowie einer EU-Studie (COST EUPOL) zur Schwellenwertbestimmung bei Pollenallergien.

Therapiemöglichkeiten

„Die wichtigste therapeutische Maßnahme ist die Allergenvermeidung,“ sagt Prof. Dr. Reinhart Jarisch, Leiter des Floridsdorfer Allergiezentrums in Wien. „Je nach Art und Schweregrad wird die Behandlung individuell festgelegt: Antihistaminika, entzündungshemmende Nasensprays (nasales Steroid), Bronchien erweiternde und/oder entzündungshemmende Medikamente. Die Spezifische Immuntherapie (SIT) bekämpft die Ursache der Allergie. Für Gräserpollenallergiker steht die Allergie-Impfung auch in Tablettenform als komfortable und effektive Alternative zur Spritzenkur zur Verfügung. „Damit die spezifische Immuntherapie rechtzeitig wirken kann, muss die SIT mindestens zwei, besser aber drei bis vier Monate vor der erwarteten Pollensaison begonnen werden. Für Gräserpollenallergiker besteht jetzt noch die (letzte) Möglichkeit für einen Therapiestart vor der heurigen Gräserpollensaison“, betont Jarisch.

 

http://www.pollentagebuch.at

www.phd.polleninfo.org

www.allergiefragebogen.at

http://www.pollenwarndienst.at

 

Quelle: Pressegespräch „Start in die Pollensaison 2010“, 17. März in Wien.

  • Herr Rainer Schanzek, 14.01.2012 um 22:57:

    „Schreib meine Beschwerden seit einer Woche auf dem Handy mit. Die App dafür ist
    https://market.android.com/details?id=de.thoca.allergieTagebuch“

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