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© (5) Illustrationen aus „Das Grosse Buch der Westlichen Kräuter aus Sicht der Traditionellen ChinesischenMedizin“, BACOPA Verlag

Pharmazeutischer Name: Bursae pastoris herba, Botanischer Name: Capsella bursa-pastoris L., Englischer Name: Shepherd’s purse.

Pharmazeutischer Name: Hyperici herba, Botanischer Name: Hypericum perforatum L., Englischer Name: Saint John’s wort, Hardhay

Pharmazeutischer Name: Paeoniae albae radix, Chinesischer Name: Baishao, Botanischer Name: Paeonia lactiflora Pall

Pharmazeutischer Name: Calendulae flos, Botanischer Name: Calendula officinalis L., Englischer Name: Pot marigold

Pharmazeutischer Name:Arnicae flos, Botanischer Name: Arnica montana L., Englischer Name: Arnica

 
Komplementärmedizin 12. September 2016

„Westliche“ Kräuter und TCM

Blut-Stagnationen. Im folgenden Artikel wird beispielhaft die Verwendungen westlicher Kräuter aus Sicht der TCM bei der Diagnose „Blut-Stagnation“ anhand von zwei Rezepturen beschrieben.

Das wachsende Interesse an der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) hat in den letzten Jahrzehnten eine verstärkte Anwendung der chinesischen Phytotherapie mit sich gebracht. Dies hat dazu geführt, dass bei uns heimische, sogenannte „westliche“ Kräuter, in zunehmendem Maße nach den Kriterien der TCM beschrieben und zum Wohle der Patienten eingesetzt werden. Gründe, die zur vermehrten Verwendung dieser Heilpflanzen führen, sind deren gute Verfügbarkeit, gesicherte Qualität und Bekanntheitsgrad. Zudem liegt das Preisniveau der westlichen Kräuter deutlich unter dem der chinesischen Entsprechungen. In ihrer Wirksamkeit sind westliche Kräuter ebenso effizient wie ihre chinesischen Pendants.

Blut-Stagnationen

Blut-Stagnationen werden in Abhängigkeit davon, welches Organ vorrangig betroffen ist, sowie in Abhängigkeit von den auslösenden Faktoren Kälte, Hitze, Mangel oder Überschuss, weiter differenziert. Charakteristische Symptome einer Blut-Stagnation können sein: gut lokalisierbare und intensive Schmerzen, Abszesse, Haarausfall, zyanotische Lippenfarbe, zyanotische Areale am Zungenkörper sowie ein rauer (se) Puls.

Zu den wichtigsten Ursachen einer Blut-Stagnation zählen ein Qi-Mangel sowie eine Qi-Stagnation. Weitere Ursachen für eine Blut-Stagnation sind: Verletzungen, Operationen, Fremdkörper innerhalb des Körpers (beispielsweise Spiralen als Verhütungsmethode) sowie laut Texten der klassischen TCM: Geburten.

Auch viele chronisch kranke Menschen besitzen eine Blut-Stagnation. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, bei chronisch kranken Menschen an eine Blut-Stagnation zu denken; vor allem immer dann, wenn nach Einnahme zuvor verschriebener Rezepturen keine Verbesserung eingetreten ist. Da in westlichen Ländern praktizierende TCM-Ärzte es oft mit Patienten zu tun haben, die unter chronischen Beschwerden leiden, haben Kräuter, die die Blutzirkulation anregen, eine große Bedeutung.

Achtung: Kontraindikationen

An dieser Stelle sei angeführt, dass jede Arznei, so auch westliche Kräuter, die eine Wirkung besitzen, auch Nebenwirkungen haben, wenn sie nicht entsprechend einer korrekten energetischen Diagnose und in richtiger Dosierung eingesetzt werden. Aus diesem Grund sollten blutbewegende Kräuter mit Vorsicht bei alten oder geschwächten Menschen sowie Patienten mit Blutungen (außer diese sind durch eine Blut-Stagnation verursacht worden) verabreicht werden. Während einer Gravidität sind sie kontraindiziert.

Rezepturen

Im Folgenden werden zwei Rezepturen mit deren Wirkungen, Indikationen, entsprechenden westlichen Krankheitsbildern sowie Beschreibungen inkl. Dosierungsangaben pro Tag im Detail vorgestellt.

(1) Rezeptur gegen Blut-Stagnation (Ploberger 2015: 580)

- Flos Arnicae Arnika 9 g Kaiserkraut

- Herba Hyperici Johanniskraut 10 g Kaiserkraut

- Flos Calendulae Ringelblume 8 g Kaiserkraut

- Herba Bursae pastoris Hirtentäschelkraut 3 g Kaiserkraut

- Folium Rosmarini Rosmarin 3 g Ministerkraut

- Semen Hippocastani Rosskastanie 5 g Ministerkraut

- Radix Paeonia rubra rote Pfingstrose 7 g Ministerkraut

- Radix et Rhizoma Rhei Rhabarberwurzel 3 g Ministerkraut

Wirkung:

Gegen Qi-Stagnationen

Gegen Blut-Stagnationen

Wirkt Schmerzen und Schwellungen entgegen

Löst Gewebsverhärtungen und Knoten auf

Indikation:

Gut lokalisierbare Schmerzen, zur Unterstützung des Heilungsprozesses nach Verletzungen, Knoten in der Brust.

Entsprechende westliche Krankheitsbilder:

Nach Verletzungen wie Prellungen, Stauchungen, Knochenbrüchen, etc.; Myalgien, chronische Tendovaginitis.

TCM Befunde:

Zunge: cyanotischer Zungen- körper; Puls: gespannt (xian) oder rau (se).

Beschreibung der Rezeptur:

Diese Rezeptur aus westlichen Kräutern enthält mehrere Qi- und Blut bewegende Kräuter. Arnika (Flos Arnicae), ein leicht süßes, bitteres, scharfes, thermisch neutrales Kaiserkraut, tonisiert das Herz-Yang und kann sowohl innerlich als auch äußerlich angewendet werden, um Probleme im Bereich der Nerven und Blutgefäße zu behandeln. Unterstützt wird Arnika (Flos Arnicae) durch Johanniskraut (Herba Hyperici), das als „Kaiserkraut“ zur Behandlung von Problemen im Bereich der Nerven bezeichnet werden kann. Ringelblume (Flos Calendulae), ein leicht bitteres, süßes, salziges, thermisch neutrales Kraut, löst ebenfalls Blut-Stagnationen auf. Darüber hinaus klärt dieses Kaiserkraut Wind-Hitze und nährt das Herz-Yin. Das bittere, adstringierende, scharfe, thermisch kühle Hirtentäschelkraut (Herba Bursae pastoris) kann eingesetzt werden, um als Kaiserkraut Blut-Stagnationen, speziell im Bereich des Unteren Erwärmers, entgegenzuwirken. Dieses Kraut wird in der westlichen Kräutertherapie eingesetzt, um Blutungen, die aufgrund einer Blut-Stagnation bestehen, zu stoppen. Zusätzlich tonisiert Hirtentäschelkraut (Herba Bursae pastoris) das Herz-Qi und löst Leber-Qi-Stagnationen auf. Die Kombination der Ministerkräuter: Rosmarin (Folium Rosmarini), Rosskastanie (Semen Hippocastani) und rote Pfingstrosenwurzel (Rdx. Paeoniae rubra) eignet sich, um Blut-Stagnationen aufzulösen. Auch die bittere, thermisch kalte Rhabarberwurzel (Rdx. et Rhz. Rhei) wirkt Blut-Stagnationen entgegen. Darüber hinaus kann dieses Ministerkraut eingesetzt werden, um Gewebsverhärtungen und Knoten aufzulösen. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich diese Rezeptur aus westlichen Kräutern dazu eignet, Qi- und Blut-Stagnationen aufzulösen, Schmerzen und Schwellungen entgegenzuwirken und Verhärtungen aufzulösen. Dabei behandelt Arnika (Flos Arnicae) vor allem Probleme im Bereich der Blutgefäße und Johanniskraut (Herba Hyperici) Probleme, die im Bereich der Nerven bestehen.

(2) Rezeptur gegen Blut-Stagnation (Ploberger 2015: 581)

- Flos Arnicae Arnika 6 g Kaiserkraut

- Radix et Rhizoma Rhei Rhabarberwurzel 8 g Kaiserkraut

- Ramulus Cinnamomi Zimtzweige 2 g Ministerkraut

- Folium Rosmarini Rosmarin 3 g Ministerkraut

- Herba Equiseti Ackerschachtelhalm 6 g Polizeikraut

- Radix Glycyrrhizae Süßholz 2 g Polizeikraut + Botschaftskraut

Wirkung:

Leitet Hitze aus

Gegen Blut-Stagnationen

Indikation:

Akute Schmerzen im Unterbauch, Harninkontinenz, nächtliches Fieber, Unruhezustände, verwirrtes Sprechen, starkes Durstgefühl.

Möglicherweise: Manisches Verhalten, Unregelmäßigkeiten der Menstruationsblutung, Schmerzen zur Zeit der Menstruationsblutung, Ausbleiben der Menstruations- blutung.

Entsprechende westliche Krankheitsbilder:

Akute Endometritis, Placentaverhalten, Amenorrhoe, Dysmenorrhoe, Cervicitis, Adnexitis, nach Verletzungen wie Prellungen, Stauchungen, Knochenbrüchen, etc.; Manie, Ileus.

TCM-Befunde:

Zunge: cyanotischer Zungenkörper; Puls: voll (shi) gespannt (xian) oder rau (se).

Beschreibung der Rezeptur:

Als Kaiserkräuter dieser Rezeptur dienen das leicht süße, bittere, scharfe, thermisch neutrale Arnikakraut (Flos Arnicae) sowie die Rhabarberwurzel (Rdx. et Rhz. Rhei). Dieses bittere, thermisch kalte Kraut wirkt stark abführend, den „Pathogene Faktor“ Hitze ausleitend, sowie Blut-Stagnationen auflösend. Rhabarberwurzel (Rdx. et Rhz. Rhei) ist in dieser Rezeptur hoch dosiert, um effektiv Hitze ausleiten zu können. Als eines der Ministerkräuter dienen Zimtzweige (Ramulus Cinnamomi). Diese wärmen im Bereich der Sehnen und Muskeln, lösen Stagnationen auf und können eingesetzt werden, um Blut-Stagnationen aufzulösen. Rosmarin (Folium Rosmarini), das zweite Ministerkraut, unterstützt die wärmende, Blut bewegende Wirkung der Zimtzweige (Ramulus Cinnamomi) im Bereich des Unteren Erwärmers. Aus diesem Grund wirkt Rosmarin (Folium Rosmarini) Schmerzen zur Zeit der Menstruationsblutung, die aufgrund einer Kälte bzw. Blut-Stagnation bestehen, entgegen. Ackerschachtelhalm (Herba Equiseti) befindet sich in der Rezeptur, um einerseits Hitze zu kühlen, andererseits als Polizeikraut das Yin zu bewahren. Süßholz (Rdx. Glycyrrhizae) dient sowohl als Polizei- als auch als Botschaftskraut. Es schützt den Magen vor den drastischen Wirkungen der anderen Kräuter und wirkt harmonisierend im Bereich des Mittleren Erwärmers.

Fazit für die Praxis

Die TCM Diagnose Blut-Stagnation ist in unseren Breitengraden häufig bei Patienten zu finden. Westliche Kräuter, nach TCM Kriterien zusammengestellt, sind eine Bereicherung der Therapie zum Wohle des Patienten und stellen eine effektive Alternative zu traditionellen chinesischen Arzneien dar.

Literaturempfehlung

Ploberger, Florian (2015) Das große Buch der westlichen Kräuter aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin, 3., erweiterte Auflage, Schiedlberg: Bacopa. In der 3. Auflage neu:

- zusätzliche Beschreibung von mehr als 25 weiteren westlichen Einzelkräutern.

- Hinweise über die Wechselwirkung von Heilpflanzen mit schulmedizinischen Medikamenten.- 640 Seiten, 228 vierfarbige Abb., Tabellen.

Dr. med. Florian Ploberger B. Ac. MA


Florian Ploberger

, komplementärmedizin 3/2016

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