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Dr. Daniela Stockenhuber Ausbildungsreferentin der Österreichischen Gesellschaft für Akupunktur; Akupunktur-Ambulanz im KH Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel, Wien

 
Komplementärmedizin 23. September 2015

Akupunktur heute

Für den Erfolg der Therapie ist es wichtig, die für den jeweiligen Patienten richtige Strategie zu finden.

Die Akupunktur als Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin ist als eine mehrere tausend Jahre alte Behandlungsmethode in ein philosophisches Konzept eingebettet, welches bei näherer Betrachtung ein komplexes in sich schlüssiges Bild des Menschen und seiner Erkrankungen bietet. Sie ist als konstitutionelle Therapieform zu betrachten, die spezifisch auf jeden Patienten und dessen Beschwerdebild abgestimmt werden muss.

Ursprünglich war die Akupunktur eine reine Erfahrungsheilkunde, die durch Beobachtung wiederkehrender Effekte und Palpation entstanden ist. Nachdem die westliche Welt Anfang der Siebzigerjahre mit der Akupunktur-Analgesie bei operativen Eingriffen konfrontiert wurde, ergab sich die Frage nach ihrer Wirkung, und damit begann eine intensive Forschungstätigkeit. Mittlerweile sind nerval-reflektorische und humoral-endokrine Wirkungen nachgewiesen. Ebenso konnten Effekte auf die Durchblutung und den Muskeltonus gezeigt werden.

Varianten der Akupunktur

Dem Therapeuten stehen nun generell verschiedene Varianten der Akupunktur wie die Körperakupunktur und Microakupunktursysteme (MAPS) zur Verfügung.

Die klassische Körperakupunktur kennt über 300 Punkte, die auf Leitbahnen (Meridianen) liegen, welche paarweise longitudinal am Körper angeordnet sind. Die Nomenklatur der Punkte erfolgte ursprünglich mit Eigennamen, die oft auf die Wirkweise und Indikation Bezug nahmen, wie zum Beispiel „Zusanli“, was übersetzt etwa „Dreimeilenpunkt des Beines“ heißt. Dieser Punkt gibt Kraft, stärkt die untere Extremität und ermöglicht es „drei Meilen weiter zu gehen“. In der modernen Nomenklatur wurden die auf bestimmten Meridianen liegenden Punkte einfach durchnummeriert, somit heißt dieser auf dem Magenmeridian gelegene Punkt nun Magen 36.

Zusätzlich zu den auf den Hauptmeridianen gelegenen Punkten gibt es noch zahlreiche Extrapunkte, die wegen ihrer lokalen Wirkung oder indikationsspezifisch eingesetzt werden können.

Bei den Microakupunktursystemen (MAPS) oder Somatotopien handelt es sich um die nochmalige Repräsentanz des Gesamtorganismus auf einem begrenzten Teilbereich des Körpers, wobei die Projektion sowohl anatomisch als auch funktionell entsprechend der TCM erfolgt. Diese Punkte oder Zonen sind nur im Falle einer Störung aktiv beziehungsweise nachweisbar und haben somit diagnostische und therapeutische Bedeutung. Von den unzähligen MAPS werden am Häufigsten die Ohrakupunktur, die YNSA (Yamamotos New Scalp Acupunktur) und die Koreanische Handakupunktur eingesetzt.

Sie haben viele Vorteile: die Punkte sind leicht zu erlernen und für die Therapie leicht zu erreichen, oft beobachtet man Sekundenphänomene – also eine rasche Besserung der Beschwerden, Sekunden nach dem Setzen der Nadel. Es können vor allem am Ohr Dauernadeln, die dann für einige Tage an den Punkten verbleiben, verwendet werden. Diese setzt man z.B. bei der Battlefield acupuncture bei akuten Traumen ein, wobei sich gezeigt hat, dass Verletzte weniger Blut verlieren und weniger Schmerzmedikation benötigen. MAPS eignen sich also sowohl für derart akute, als auch für chronische Indikationen.

Bei der YNSA, einer von Toshikatsu Yamamoto beschriebenen Methode, handelt es sich ebenfalls um ein funktionelles ganzheitliches Diagnose- und Therapieverfahren, das einfach in der Anwendung ist und rasch zu einer Besserung der Beschwerden führt.

Die koreanische Handakupunktur ist, wie der Name schon sagt, ein Somatotop im Bereich der Hand, wobei sich hier alle Meridiane und Punkte der Körperakupunktur wiederfinden und für die Therapie verwendet werden können.

Generell werden die für die Therapie benötigten Punkte nach Palpation und Schmerzhaftigkeit gewählt, für das Ohr eignen sich auch Punktsuchgeräte die durch Messen des elektrischen Hautwiderstandes den benötigten Punkt verifizieren. Die Therapie kann dann über Einmal- oder die bereits erwähnten Dauernadeln erfolgen.

Soft-Laser-Therapie

Als wirkungsvolle und völlig schmerzfreie Alternative zur Nadel steht für Kinder oder sehr schmerzempfindliche Patienten der Laser zur Verfügung. Die sogenannte Soft-Laser-Therapie kann wegen ihrer analgetischen und antientzündlichen Effekte sowohl zur Bestrahlung von Akupunkturpunkten, als auch zur Flächenbehandlung bei verschiedensten Indikationen herangezogen werden. Bei der Koreanischen Handakupunktur werden in diesem Sinne auch gerne kleine Magnete auf empfindliche Stellen aufgeklebt, die dann von den Patienten selbst zur weiteren Schmerzreduktion immer wieder massiert werden können.

Indikationen im Bereich des Bewegungsapparates

Die häufigsten Indikationen im Bereich des Bewegungsapparates sind Lumbago bzw. Lumboischialgie, Cervikalsyndrom gefolgt von Gonarthrose.

Beschwerden des Bewegungsapparates zeigen generell ein gutes Ansprechen auf Akupunktur. Nach etwa zehn Therapien in wöchentlichen Abständen kann, statistisch belegt, eine Reduktion des VA-Scores um mehr als die Hälfte erzielt werden. Weitere Schmerzindikationen wie z.B. Migräne, Neuralgien (Trigeminus- oder Postzosterneuralgien) Polyneurapathien oder das Chronic Pelvic Pain Syndrome erweisen sich mitunter als hartnäckiger. Die Vorgehensweise bzw. Behandlungs- strategie im Sinne der Anwendung von Körperakupunktur in Verbindung mit MAPS, oder nur MAPS, wird individuell entschieden und von der Grunderkrankung und vom Behandlungserfolg oder weiteren Indikationen abhängig sein.

Die einfachste Form der Körperakupunktur ist einen individuellen schmerzhaften „Ah-shi“-Punkt zu stechen. Üblicherweise wird jedoch ein Punkteprogramm gewählt, das von der betroffenen Region bzw. dem betroffenen Meridian abhängt. Außerdem wird auf weitere anamnestische Angaben wie z.B. Wettereinflüsse oder psychische Faktoren sowie Zungen- und Pulsdiagnostik Rücksicht genommen. Auch die Palpation ist beim Erstellen eines Programmes hilfreich, dadurch können Veränderungen der Gewebekonsistenz im Bereich der Haut, der Subcutis und der Muskulatur festgestellt werden und die entsprechenden Akupunkturpunkte in das Therapieprogramm einbezogen werden.

Prinzipiell kann Akupunktur als Monotherapie, aber auch als Additivmethode zu schulmedizinischen Maßnahmen eingesetzt werden. Eine Medikamenteneinnahme wird z.B. nur langsam entsprechend der Verbesserung des Zustandsbilds reduziert. Die Häufigkeit der Behandlung variiert abhängig von der Dauer des Bestehens der Erkrankung – je akuter, desto häufiger wird genadelt, also bis zu mehrmals pro Woche.

Psychische Indikationen

Zu den häufigsten psychischen Indikationen zählen die Depression und Angststörungen.

Meist wird man sich bei der Therapie für eine Kombination von Körperakupunktur und Somatotopien entscheiden und auch in diesen Fällen Dauernadeln, vor allem am Ohr, in Punkte setzen die gute psychische Wirksamkeit zeigen, wie z.B. Shenmen oder Sonne. Die humoral- endokrine Wirkung der Akupunktur, wie z.B. die Ausschüttung von Serotonin erklärt noch zusätzlich den antidepressiven Effekt.

Auch Schlafstörungen können mittels Akupunktur behandelt werden. Einer chinesischen Studie entsprechend wurden Akupunkturpunkte am Kopf und an den Ohren genadelt und zusätzlich elektrostimuliert, was bereits nach der 1. Akupunktur zu Veränderungen von Schlaflaboruntersuchungen führte. Hierbei konnte gezeigt werden, dass die Akupunktur nicht nur den Schlaf verbessert, sondern auch die Vigilanz.

Allgemein gesehen stehen uns in der Akupunktur unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Für den Erfolg der Therapie ist es wichtig, die für den jeweiligen Patienten richtige Strategie zu finden.

Korrespondenz:

Dr. Daniela Stockenhuber

Akupunktur-Ambulanz

Vizepräsidentin, Kassierin und

Ausbildungsreferentin der Österreichischen Gesellschaft für Akupunktur

KH Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel, A-1130 Wien, Riedelgasse 5; E-Mail:

Literatur bei der Verfasserin

Daniela Stockenhuber, komplementärmedizin 3/2015

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