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Komplementärmedizin 30. Juni 2005

HIV-Infektion: Richtige Ernährung stärkt das Qi

Wie auch in der modernen westlichen Medizin wird die HIV-Infektion in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) als komplexes Bild mit mehreren, aufeinander folgenden Krankheitsmustern gesehen. Am Beginn einer HIV-Infektion steht fast immer eine Milz- und Lungen-Qi-Schwäche, das heißt,eine generelle Abwehrschwäche. Diese Qi-Schwäche (siehe auch Teile 12, 13 u. 14) begleitet die PatientInnen meist ein Leben lang und ist mitverantwortlich für eventuell auftretende opportunistische Infektionen. Lungen- und Milz-Qi werden am besten mittels Wurzelgemüse und süßlich schmeckendem Gemüse aufgebaut, besonders durch Karotten, Selleriewurzeln, Kartoffeln, Kürbisse und Pastinaken.

Immunstärkender Hafer

Die Immunabwehr wird auch ganz speziell durch Hafer gestärkt. Strikt vermieden werden sollten alle denaturierten Lebensmittel (Packerlsuppen, Wurstwaren, Dosen, Mikrowelle, Süßigkeiten, Tiefkühlgemüse). Gegen den Süßhunger, der im Laufe einer HIV-Infektion immer wieder aufgrund des Qi- und in weiterer Folge Yin-Mangels auftritt, sollten Obstkompotte, Süßspeisen mit Süßreis, Hafer und Quinoa, Vollwertprodukte und Trockenfrüchte, Letztere in Maßen und vor allem ungeschwefelt, eingesetzt werden, aber auch Kürbisgerichte (Kürbis aus dem Backofen, der nur mit Butter und Salz ausgelöffelt wird), rote Rüben (gedünstet mit Zwiebeln, Rosinen und etwas Balsamico) und Kartoffelscheiben aus dem Backrohr stärken das Qi und nähren das Yin.

Folgen des Yin-Mangels

Bei bereits länger bestehender HIV-Infektion tritt ein Blut- und Yin-Mangel auf (bei RaucherInnen tritt dieser bereits viel früher auf), da der Krankheitsprozess - auch wenn keine schulmedizinisch feststellbaren Symptome auftreten - das Blut und Yin, also die Substanz des/der PatientIn, aufzehrt. Von diesem Yin-Mangel ist der ganze Körper betroffen, was sich durch eine allgemeine Trockenheit der Haut, durch trockenen Stuhl oder trockenen Husten äußern kann, insbesondere aber sind Magen (auch durch eine eventuelle Medikamenteneinnahme), Lunge und Leber angegriffen. Bei jahrzehntelanger HIV-Infektion werden auch Nieren und Herz davon betroffen, was mit Niedergeschlagenheit, Depressionen, Libidoverlust, Schlafstörungen (siehe auch Teile 10 und 11), Angstzuständen, Palpitationen einhergehen kann. Der Yin-Mangel wird durch wässrige und befeuchtende Gemüsearten wie Spinat, Mangold, Spargel, Zucchini, Melanzani, aber auch Kürbissen und Kartoffeln behandelt.

Was das Yin nährt

Yin nährend sind auch insbesondere ganze Getreidekörner, Samen und Nüsse, wobei Letztere nur sehr sparsam eingesetzt werden sollen. Weiters sollten Öle wie Leinöl, Weizenkeimöl, Nachtkerzenöl oder Borretschkrautöl eingenommen werden, da sie Leber und Nieren stärken. Alkohol, Kaffee und Tabak sollten im Falle eines Blut- oder Yin-Mangels streng gemieden werden, da sie das Yin noch mehr aufzehren und noch dazu die Schleimproduktion erhöhen. Bei angegriffenem Magen mit ev. auftretenden Schmerzen bewährt sich Dinkel sehr gut (siehe Kasten).
Zum Stärken des Qi (Immunabwehr) und Nähren des Yin (Substanz und Blut) können nebenwirkungsfreie chinesische Kräuter einer lang gekochten Rind- oder Hühnersuppe beigefügt werden, z.B. Fructus Lycii, Radix Polygoni multiflori, Radix Dioscorae, Fructus Ligustri, Radix Angelica sinensis, Radix Paeoniae albae, Radix Astragali, Gerstenkörner.

Antitoxische Kräuter

Yin-Mangel kann zu Hauterscheinungen wie Dermatitis, Ekzemen, Efflueszenzen, Allergien und dergleichen führen, was in der TCM toxische Bluthitze genannt wird. Gegen die toxische Bluthitze bzw. überhaupt gegen das hi-Virus selbst können antitoxische Kräuter wie Löwenzahn, Stiefmütterchen oder Erdrauch eingesetzt werden. Diese sind bitter und extrem abkühlend, was das Qi auf lange Zeit schädigen kann. Daher sollten sie nur unter Aufsicht eines/einer TCM-Arztes/TCM-Ärztin oder einer TCM-Ernährungsberaterin verwendet werden.
Im Laufe der HIV-Infektion kommt es zu "Schleim", der sich sichtbar als Auswurf oder Ausfluss zeigen kann, aber auch unsichtbar in Form von erhöhten Blutfetten (siehe auch Teil 6-9), Diabetes oder Bluthochdruck auftritt. Hierbei eignet sich Misosuppe, wobei das Miso nicht gekocht, sondern nur eingerührt werden soll, mit frischem Ingwer und Algen, beispielsweise Kombu oder Hiziki. Oft sind schleimlösende und/oder trocknende Kräuter erforderlich, die aber aufgrund der Nebenwirkungen genau auf den/die PatientIn abgestimmt werden müssen. Beispiele für entschleimende Kräuter sind Löwenzahn, Klettenwurzel, Enzianwurzel, Beispiele für trocknende und daher sekundär entschleimende Kräuter sind Thymian, Rosmarin, Kardamom. Bei Auftreten von schleim-bedingten Symptomen sollten Süßigkeiten, Margarine und Milchprodukte - ausgenommen Butter - gemieden werden.
Das notwendige Kalzium und Silizium sollte aus Getreide wie Quinoa und Hirse bezogen werden. Insgesamt könnte das Immunsystem durch Zusatzpräparate wie Ganoderma Lucidum, den Langlebigkeitspilz, oder Cordyceps gestärkt werden.

Bei Fragen mailen Sie bitte an: 

Chavy Maria Michalitsch, Ärzte Woche

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