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Neurologie 15. Februar 2016

Wie intensiv ist die Alkoholfahne?

Wie stark jemand alkoholisiert ist, lässt sich durchaus aus seiner Atemluft herausriechen.

Autofahrer und Straftäter, die schon von Weitem nach Alkohol riechen, machen sich verdächtig. Doch lässt eine ausgeprägte „Fahne“ auch auf eine stärkere Alkoholisierung schließen? Dem gingen Rechtsmediziner auf den Grund.

Die Wahrnehmung von Alkoholgeruch in der Atemluft kann durch Polizei oder andere Zeugen große Bedeutung für ein Gerichtsverfahren haben, vor allem dann, wenn weder eine Blutprobe noch ein Atemalkoholtest vorliegen. In einem Trinkversuch stellten die Rechtsmediziner vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf daher 15 trinkende Probanden („Trinker“; Bier, Wein oder Wodka) 16 riechenden Probanden („Rater“; 8 Laien, 8 Experten aus dem Blutentnahmedienst) gegenüber. Die Trinker mussten sich mit jeweils unterschiedlichen Getränken verschiedene Zielkonzentrationen antrinken oder blieben ganz nüchtern (0,0-0,3-0,5-0,8-1,1 Promille), schreiben die Autoren in einem Abstract (Rechtsmedizin 2015; 25: 379).

In einer verblindeten Versuchsreihe mussten die Rater jeweils eine Atemprobe der Trinker im Bezug auf die Intensität des Alkoholgeruches einschätzen. Sie gaben an, ob sie den Alkoholgeruch nicht wahrnehmen oder ob die Trinker minimal, schwach, mittel oder stark nach Alkohol rochen. Die Reihenfolge der Zuordnung Trinker zu Rater erfolgte dabei randomisiert. Jeder Rater musste aber im Rahmen des Versuches jeden Trinker einmal testen, was 240 Einzeltestungen ergab. Das Ergebnis: Die nüchtern gebliebenen Probanden wurden in 30 von 48 Testungen (62,5 %) zutreffend als nüchtern erkannt, so die Autoren. In 18 Fällen seien bei 0,00 Promille die Wahrnehmung von Alkoholgeruch angegeben worden. Bei 22 von 192 Testungen (11,5 %) haben die „Rater“ kein Alkoholgeruch wahrgenommen, obwohl der Proband alkoholisiert war.

Nur für geübte Nasen

Es machte einen Unterschied, ob ein Experte oder Laie die Fahne bewertete: Laien seien demnach kaum in der Lage gewesen, Alkoholisierungsgrade richtig einzuschätzen. Weibliche Laien schätzten den Alkoholisierungsgrad zudem signifikant höher als männliche. Experten hingegen erkannten, unabhängig von ihrem Geschlecht, recht zuverlässig das Vorhandensein von Konzentrationsunterschieden, wobei auch sie Alkoholisierungsgrade tendenziell zu niedrig einschätzten. Ob nun aber Bier, Wein oder Wodka getrunken wurde, hatte den Autoren zufolge keinen signifikanten Einfluss auf die Einschätzung der Probanden.

Das Fazit: „Die Wahrnehmung der Alkoholfahne ist ein grundsätzlich unzuverlässiger Hinweis auf die Stärke der Alkoholisierung im niedrigen bis mittleren Promillebereich. Nicht selten würde ein nüchterner Proband als alkoholisiert eingeschätzt, während alkoholisierte Probanden als nüchtern wahrgenommen worden seien. Dennoch zeige das signifikant bessere Abschneiden der Experten unter den Ratern, dass die Fähigkeit, Konzentrationsunterschiede „herauszuriechen“, trainierbar sein könnte.

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