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Allgemeinmedizin 5. November 2012

Alkoholsucht kostet 20 Jahre

Ein Gift, das Lebenszeit raubt.

Eine neue Studie zeigt: Alkoholsüchtige leben deutlich kürzer als Abstinenzler, besonders gravierend ist der Effekt bei Frauen. Auch Entzugstherapien haben darauf offenbar keinen Einfluss.

Alkoholabhängige haben im Vergleich zu Nie-Alkoholabhängigen eine um 20 Jahre geringere Lebenserwartung, berichten Forscher aus Greifswald und Lübeck.

In einer repräsentativen Studie mit mehr als 4.000 Probanden starben alkoholabhängige Frauen im Mittel mit 60, Männer mit 58 Jahren. „Keiner der gestorbenen Alkoholabhängigen hatte das durchschnittliche Lebensalter erreicht“, sagte der Leiter der Studie, der Greifswalder Epidemiologe Professor Ulrich John.

„Uns hat die im Vergleich zum Rauchen besonders starke Lebenszeitverkürzung überrascht.“ Viele durch das Rauchen bedingte Krebserkrankungen führten oft erst später – im Alter von deutlich über 60 Jahren – zum Tode. Die Ergebnisse sollen im Januar im US-Fachblatt „Alcoholism: Clinical & Experimental Research“ (ACER) erscheinen.

Studie über 14 Jahre

Die Experten hatten im Jahr 1996 die Gesundheitsdaten von 4.070 Personen gesammelt und über 14 Jahre beobachtet, darunter auch 149 Alkoholabhängige. Verglichen mit der jeweils gleichaltrigen Normalbevölkerung war die Sterberate von Alkoholikerinnen um das 4,6-Fache erhöht, von männlichen Alkoholikern um das 1,9-Fache.

Erstaunt waren die Forscher über die großen geschlechtsspezifischen Unterschiede. „Frauen scheinen schneller und stärker als Männer mit Erkrankungen auf Alkoholkonsum zu reagieren als Männer“, sagte John. Warum die Unterschiede in der Sterberate so groß sind, konnten die Forscher bislang nicht erklären.

Die geringere Körpermasse sei allein kein ausreichendes Argument.“ Frauen müssen beherzigen, dass sie deutlich weniger Alkohol konsumieren dürfen als Männer.“ Der international anerkannte Richtwert liegt bei einer maximalen Tagesmenge von 12 Gramm für Frauen (ein Achtelliter Wein oder ein Viertelliter Bier) und 24 Gramm (ein Viertelliter Wein oder ein halber Liter Bier) für Männer.

Therapien zu spät angesetzt

Den Ergebnissen zufolge hatte eine Alkoholtherapie keine positive Auswirkung auf die Lebenserwartung. 23 Prozent der Suchtkranken hatten eine mehrmonatige Entwöhnungstherapie absolviert. Diese Therapien setzen nach Ansicht der Sozialmediziner zu spät an.

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