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Allgemeinmedizin 21. März 2012

Zu viele Alkolenker unterwegs

Von fast 20.000 Führerscheinabnahmen in einem Jahr berichtet der ÖAMTC anlässlich des Jubiläums 25 Jahre Alkomat-Verordnung. Die Unfallzahlen mit alkoholisierten Beteiligten sprechen leider eine ernüchternd deutliche Sprache: Im Vorjahr gab es bis November laut Statistik Austria 48 Todesopfer bei Alko-Unfällen, das sind um 15 mehr als 2010. Heuer kamen seit Jahresbeginn bereits fünf Menschen bei Unfällen mit alkoholisierten Beteiligten ums Leben (Quelle: BMI).


Jund und männlich


"Der Großteil der Unfälle wird von jungen, männlichen Lenkern verursacht. Bei einem Drittel aller Unfälle unter Alkoholeinfluss sind die Fahrer zwischen 15 und 24 Jahre alt", berichtet die Verkehrspsychologin Marion Seidenberger vom ÖAMTC. Eine gewisse Bewusstseinsbildung ist trotz dieser ernüchternden Bilanz zu beobachten. 1987, im Jahr der Einführung der Alkomat-Verordnung, führte die Exekutive 40.979 Alkotests durch, 26.718 Führerscheine wurden "einkassiert". "Im Vorjahr wurden laut BMI bereits 1.418.363 Alkomaten- und Alkovortests durchgeführt.


Höhere Strafen zeigen Wirkung


Im Zuge der Kontrollen wurden 19.332 Führerscheine abgenommen und 40.234 Fahrzeuglenker aufgrund von Alkoholdelikten angezeigt", fasst die ÖAMTC-Verkehrspsychologin zusammen. Trotz höherer Kontrolldichte mussten also weniger Lenker den Schein abgeben, als vor 25 Jahren. Maßnahmen wie die 0,5-Promille-Grenze, 0,1 Promille für Probeführerscheinbesitzer, die Mehrphasenausbildung, der Einsatz von Alkovortestgeräten und höheren Strafen zeigen demnach Wirkung.

Kontrolldichte erhöhen Für ÖAMTC-Expertin Seidenberger ist das jedoch zu wenig: "Statistiken über alkoholbedingte Unfälle spiegeln nur einen Bruchteil der tatsächlichen Alkofahrten wider. Da sich Fahrzeuglenker häufig an der Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden orientieren, würde eine weitere Erhöhung der Kontrolldichte wesentlich zur Verkehrssicherheit beitragen."


Austricksen ist nicht möglich


Rund um den Alkoholtest gibt es eine Vielzahl an Mythen und vermeintlichen Weisheiten. Insbesondere in verschiedenen Online-Foren geistern seit Jahren Tipps herum, die angeblich ein Austricksen des Vortestgerätes bzw. des Alkomaten ermöglichen. Die Realität sieht freilich anders aus: "Weder koffeinhaltige Getränke noch Zigaretten oder Knoblauch haben einen nachweisbaren Einfluss auf den Alkotest. Dass man nach dem Genuss einer alkoholgefüllten Praline den zulässigen Promillewert überschreitet, ist ebenfalls eine Legende. Auch das Lutschen von scharfen Pfefferminz-Bonbons hat keinerlei Promille-senkende Auswirkungen", erklärt die Verkehrspsychologin.


Nicht unterschätzen sollte man auch den 'Morgen danach'. Auch wer sich nüchtern fühlt, kann noch Bestände von Restalkohol im Körper haben. "Generell gilt für alle Kraftfahrer: Wer Alkohol trinkt, fährt nicht. Dann ist man immer auf der sicheren Seite", so Seidenberger abschließend.

Rechtsfolgen bei Alkohol am Steuer

0,5 bis 0,79 Promille
In diesem Bereich ist eine Verwaltungsstrafe
von 300 bis 3.700 Euro fällig. Beim ersten Alkoholvergehen behält man zwar den Führerschein, es erfolgt aber eine Vormerkung im
Führerscheinregister. "Wiederholungstätern blühen beim zweiten Delikt
innerhalb von zwei Jahren weitere Maßnahmen, zum Beispiel eine
Nachschulung durch Psychologen.

Wer gar ein drittes Mal innerhalb von drei Jahren erwischt wird, ist wie bei allen anderen Vormerkdelikten für mindestens drei Monate den Führerschein los", erklärt der ÖAMTC-Chefjurist.


0,8 bis 1,19 Promille
Wer mehr als 0,8 Promille "intus" hat, muss
mit einer Verwaltungsstrafe von 800 bis 3.700 Euro rechnen. Bereits
bei der ersten Alkofahrt (ohne Unfall) ist der Führerschein für einen
Monat weg, im Wiederholungsfall mindestens drei Monate.

1,2 bis 1,59 Promille
"Ab 1,2 Promille Alkohol droht eine Verwaltungsstrafe zwischen 1.200 und 4.400 Euro. Außerdem muss man in diesem Fall mindestens vier Monate ohne Führerschein auskommen und zur Nachschulung antreten, was zusätzliche Kosten verursacht", erklärt der ÖAMTC-Experte.

1,6 Promille und darüber
Wer sich mit solchen Promillewerten hinters Steuer setzt, riskiert eine Verwaltungsstrafe zwischen 1.600 und 5.900 Euro und muss den Führerschein für mindestens sechs Monate abgeben.

"Zusätzlich blühen dem Alkolenker eine Nachschulung, ein Termin beim Amtsarzt und eine verkehrspsychologische Untersuchung. All das ist mit weiteren, enormen Kosten verbunden", stellt der ÖAMTC-Chefjurist klar. "Bei Wiederholungstätern sieht das Gesetz
übrigens noch weitaus längere Mindestentziehungszeiten vor."

OTS/AN

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