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Pulmologie 30. Mai 2011

Hälfte der Österreicher raucht

Wie sich Tabakkonsum auf menschliche Körperzellen auswirkt, warum Österreich noch immer als Entwicklungsland im Nichtraucherschutz gilt, und was hinter der Aktion "Linie rauchfrei" steckt. Der 31. Mai ist Weltnichtrauchertag

Auswirkungen

Rauchen ist an der Entstehung von mehr als 40 Krankheiten beteiligt. Raucher sterben im Vergleich zu lebenslangen Nichtrauchern im Schnitt um zehn Jahre früher. Wissenschafter haben nun die Auswirkungen von Zigarettenkonsum auf menschliche Körperzellen unter die Lupe genommen. Ergebnisse zu diesem Thema wurden kürzlich bei der internationalen Konferenz der "American Thoracic Society" in Denver / USA und bei der Europäischen Konferenz „Tobacco or Health“ in Amsterdam diskutiert, an der tausende ÄrztInnen teilnahmen – darunter auch Prim. Dr. Herwig Schinko, Lungenfacharzt im AKH Linz und Vorstandsmitglied der Krebshilfe OÖ.

Häufigere Zellteilungen – schnellerer Gewebsverschleiß


Die Fähigkeit einer Zelle, sich zu teilen, nimmt im Laufe des Lebens ab. Jede Zellteilung schneidet ein Stück der so genannten Telomere ab – einer Art "Zellkernband", in dem Erneuerungsinformation gespeichert ist. "Tabakkonsum beschleunigt die Zellteilungen entlang der ‚Rauchstraßen’ und führt damit zu einem früheren Verschleiß. Wer raucht, ‚verbraucht’ die Regenerationsfähigkeit seines Körpers also schneller – sprich: wird früher alt", so Primar Schinko.

Das führt auch dazu, dass die Lunge früher erschlafft und sich ein Lungenemphysem entwickelt – genau so, wie sich die Haut bereits ab zehn Jahren Tabakkonsum in Falten legt.

Unkontrolliertes Wachstum


Zigarettenrauch programmiert außerdem die Zellen um, z.B. in den Bronchien. Primar Schinko zieht einen Vergleich mit der Alzheimer-Demenz: „Wenn sich unter Tabakeinfluss die Zellen der Bronchialschleimhaut ständig teilen, weil sie vergessen haben, wann es mit der Reparatur genug ist, entsteht Lungenkrebs. Der Betroffene merkt wegen der Schmerzlosigkeit der Lunge davon lange nichts, daher wird diese Erkrankung meist erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt.“ 80 bis 90 Prozent der Lungenkrebspatienten sind oder waren Raucher.

Rauchverbot in Gastronomie

Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Walter Dorner, fordert anlässlich des Weltnichtrauchertages unter anderem ein strengeres Tabakgesetz mit einem strikten Rauchverbot im öffentlichen Raum, insbesondere in der Gastronomie, konsequente Raucherprävention vor allem bei Kindern und Jugendlichen sowie eine „spürbare“ Erhöhung der Zigarettenpreise.

Einstiegsalter: 11 Jahre

In einer Aussendung betonte Dorner am Montag, dass speziell für Kinder und Jugendliche Motivationsarbeit geleistet werden müsse, um den Raucheinstieg – das Einstiegsalter liegt derzeit bei elf Jahren – zu verhindern.

Appell an den Gesundheitsminister

"Wir haben noch einen langen Weg vor uns", hielt Dorner fest. Österreich nehme im Ranking der „Tobacco Control Scale“ seit Jahren den unrühmlichen letzten Platz ein. "Es ist Zeit, das endlich zu ändern und durch wirkungsvolle Maßnahmen die Zahl der Rauchenden sowie die Zahl der Kranken nachhaltig zu senken. Die ÖÄK ist bereit, ihren Beitrag dazu zu leisten. Die Politik ist gefordert, mit uns an einem Strang zu ziehen", appellierte Dorner abschließend an den Gesundheitsminister. 

Aktion "Linie Rauchfrei"

Unter dem Motto "Einstieg zum Ausstieg" fahren den ganzen Tag die RaucherberaterInnen des von der Sozialversicherung eingerichteten Rauchertelefons in einem speziellen Wagen der Wiener Linien mit. Die ausgebildeten GesundheitspsychologenInnen testen bei interessierten Fahrgästen nicht nur den Grad der Nikotinsucht sondern geben erste Tipps zum Ausstieg.

Rauchertelefon der Sozialversicherung

 0810 810 013 (zum Ortstarif aus ganz Österreich)

    

Presse OÖÄK/Sozialversicherungen/ÖÄK

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