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Sucht 16. Dezember 2010

Drogen und Studium: Mediziner besonders sorglos

Angehende Mediziner greifen häufiger zum Alkohol und illegalen Drogen als Studenten anderer Fachrichtungen - bei Männern ist die Rate alarmierend. In der Studie "Ärztegesundheit" bemängelt Professor Klaus Scheuch, dass im Studium keine Vorbereitung auf die "bevorstehenden zusätzlichen psychischen Belastungen" des Arbeitsalltages existierten.

"Sie wissen was sie tun"

Die Klage ist nicht unberechtigt, wie Befragungen bei Studenten in Dresden und Leipzig zeigen. Demnach gehen die angehenden Ärzte auffällig sorglos mit ihrer Gesundheit um, besonders wenn es um den Konsum von Tabak, Alkohol und illegalen Drogen geht. Sie wissen, was sie tun - sie tun es aber trotzdem. Oder, wie es PD Dr. Antje Bergmann wissenschaftlicher formuliert: "Es besteht eine Diskrepanz zwischen kognitiver und aktionaler Ebene". Die Hausärztin, die in Dresden den Lehrstuhl Allgemeinmedizin inne hat, hat 300 Medizinstudenten der Uni zwischen 2004 und 2006 zum Konsum von legalen und illegalen Drogen befragt.

Riskanter Alkoholkonsum

Das Ergebnis ist erschreckend und nicht vergleichbar mit dem der Scheuch-Studie: Der Konsum beim Nachwuchs entspricht keinesfalls dem allgemeinen Bevölkerungsschnitt - die Zunahme bei Alkohol, Zigaretten und illegalen Substanzen habe problematische Dimensionen angenommen. Als "auffällig hoch" bezeichnet Bergmann die Rate der männlichen Studenten, deren Alkoholkonsum als "riskant" eingestuft wird. Unterstützt werden die Thesen von Bergmann auch in der Studie von Katharina Gerlach, Promotionsstudentin im PJ. "Das Gesundheitsbewusstsein der Medizinstudenten ist nicht höher als bei anderen Kommilitonen", sagte Gerlach im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Es werde aber mehr getrunken - der erhöhte Stressfaktor im Studium könnte eine Erklärung sein.

Illegale Drogen

Offenbar sind männliche Studenten gerade beim Gebrauch von illegalen Drogen anfälliger. Zwar erklärte Bergmann, dass deutsche Medizinstudenten im internationalen Vergleich nicht überdurchschnittlich konsumieren, die Entwicklung bei den Männern sei aber bedenklich. Dreimal häufiger als Studentinnen würden sie zu illegalen Drogen greifen. In der Studie von Katharina Gerlach gaben 44 Prozent der männlichen Studenten an, schon mal illegale Drogen genommen haben. In früheren Befragungen lag der Wert bei Ärzten bei fünf Prozent. Diese Befunde wurden auch von einer Leipziger Studie bestätigt.

Psychische Belastung

Unter den 390 Befragten wurde eine auffällig hohe Rate von Symptomen psychischer Belastung wie Angst, Panik und Essstörungen festgestellt - und zwar bei Männern und Frauen. Bergmann forderte, dass deutlicher auf Suchtrisiken hingewiesen werden müsse - und daraf, dass der Drogenkonsum die Approbation gefährden könnte. (tt)

Ärztezeitung.de/tt

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