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In der Antike war der Mohn mit seinen roten Blüten ein Symbol der Fruchtbarkeit, wegen seiner betäubenden Wirkung gehörte er auch zu den Attributen von Morpheus und Hypnos, den Göttern für Traum und Schlaf.
Foto: Dostal Lukas

Bewusstseinsverändernde Pflanzen von A–Z Prentner, Angelika 296 Seiten, € 49,95 Springer WienNewYork, 2009 ISBN 9783211992289 Die zweite Auflage widmet sich vor allem dem Vorkommen und der Wirkung europäischer Pflanzen.n

 

Macht und Missbrauch

Chancen und Risiken bewusstseinsverändernder Pflanzen.

Jahrtausendelang wurden bewusstseinsverändernde Pflanzen zu religiösen und medizinischen Zwecken genutzt, darunter auch einige der wichtigsten Heilpflanzen unseres Kulturkreises. Heilkundige kannten in früheren Zeiten die richtige Handhabung, Zubereitung und Dosierung, sodass schädliche Nebenwirkungen normalerweise ausblieben.

Ohne die Inhaltsstoffe des Mohns war Schmerzlinderung nicht möglich. Opium gehörte zu den wichtigsten Heilmitteln, um Euphorie, Schmerzstillung und Schlaf herbeizuführen. Nur so konnten Operationen durchgeführt und Schmerzen auch nach schweren Verletzungen gelindert werden. Bis heute gehören Morphin und seine Derivate weltweit zu den Hauptwirkstoffen in der Behandlung von starken Schmerzen. Leider ist der missbräuchliche Gebrauch dieser Substanzen als Rauschmittel in der Gesellschaft tief verankert. Opioide haben gravierende Nebenwirkungen auf das Zentralnervensystem und verleiten stark zu Missbrauch.

Hanf gehört zu den ältesten, für Arzneizwecke genutzten Pflanzen der Menschheit. Heute gibt es wieder Bestrebungen, Cannabis zu therapeutischen Zwecken einzusetzen. Zu den modernen medizinisch-therapeutischen Anwendungsgebieten gehören unter anderem Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie, fortgeschrittene Krebserkrankungen, HIV-Aids, Multiple Sklerose, Neuralgien, Schmerzen, psychische Erkrankungen und Epilepsie. Derzeit laufen zahlreiche Studien zum Einsatz von Cannabis.

Der Nutzen des therapeutischen Gebrauchs von Zubereitungen aus Hanf ist jedoch sehr umstritten, da es zur Beeinträchtigung neurokognitiver Leistungen im Sinne der Minderung von Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit kommen kann.

Die moderne Medizin erhofft sich, durch Analyse der Wirkmechanismen psychotroper Pflanzen und Wirkstoffe Ursachen und Mechanismen von Geisteskrankheiten besser verstehen zu können und damit passendere Behandlungsmöglichkeiten zu finden.

Gefahr der Abhängigkeit

Leider tragen alle psychotrop wirkenden Pflanzen und Substanzen die Gefahr in sich, süchtig und abhängig zu machen. Schätzungen des Fachverbandes Drogen und Rauschmittel zufolge gelten 25 bis 30 Prozent der jungen Menschen unter 25 Jahren als suchtgefährdet, weil sie entweder bereits als Ungeborene durch Alkohol, Nikotin oder andere Drogen beeinträchtigt wurden, in suchtbelasteten Familien aufgewachsen sind oder Suchtmittel selbst bereits früh und in großer Menge konsumiert haben. Das heißt, dass etwa fünf Millionen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland als suchtgefährdet gelten. Besonders besorgniserregend ist, dass rund ein Viertel von ihnen bereits vor dem 14. Lebensjahr mit dem Konsum psychotroper Substanzen begonnen hat.

Die Auswirkungen einer Suchtstörung auf Körper, Geist, Seele und soziales Umfeld sind gravierend. Seelische und körperliche Entwicklung sowie soziale Fähigkeiten werden durch den Substanzmissbrauch nachhaltig beeinträchtigt. Eine erfüllte Teilnahme am Leben wird verhindert.

„Bewusstseinsverändernde Pflanzen von A– Z“ möchte Chancen, aber auch Risiken der einzelnen bewusstseinsverändernden Pflanzen aufzeigen und über sie aufklären. Auch gibt es einige Zierpflanzen, die mittlerweile sehr häufig in unseren Gärten anzutreffen sind, von denen viele Menschen nicht wissen, welche Gefahr sie darstellen – die Engelstrompete mit ihren wunderschönen Blüten zum Beispiel. Sie gehört zu den stärksten bewusstseinsverändernden Pflanzen überhaupt und kann sehr schnell zum Tod führen. Besonders gefährlich kann es sein, wenn kleine Kinder im Haushalt leben und Teile der Engelstrompete aus Neugierde oder Versehen in den Mund nehmen.

Zur Person Mag. pharm. Dr. rer. nat. Angelika Prentner










Prentner hat an der Karl-Franzens-Universität Graz Pharmazie studiert. Neben ihrer Arbeit als Apothekerin begann sie 2001 ihre Dissertation mit dem Thema „Bewusstseinsverändernde Pflanzen in Südamerika und Mexiko“ zu schreiben und promovierte 2003 zur Doktorin der Naturwissenschaften. Nach diversen Forschungsaufenthalten in Südamerika bei der indigenen Bevölkerung des Chaco-Gebietes nahm sie 2006 die Post Doc-Stelle an der Universität Bern, Department of Clinical Research, mit dem Schwerpunkt „Heilpflanzen aus dem Chaco-Gebiet“ an. 2007 übernahm sie die Apotheke „Zur Gnadenmutter“ in Mariazell.

Von Mag. pharm. Dr. Angelika Prentner, Ärzte Woche 34 /2010

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