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Prof. Dr. Wolfgang Schreiber
 
Standpunkte 6. Oktober 2014

Rahmenbedingungen optimieren

„Wäre ich ein kritisch verletzter oder erkrankter Patient, würde ich mir einen ‚guten‘ Notarzt wünschen.“

Beide Systeme „funktionieren“ – in Mitteleuropa traditionell das (Not-)Arzt-gestützte, im anglosächsischen Raum das System mit Paramedics. Der wissenschaftliche Beweis, dass ein (Not-)Arzt-gestütztes Rettungswesen für die Patienten einem nicht (Not-)Arzt-gestützten Rettungswesen überlegen ist oder umgekehrt, fehlt. Ein Vergleich dieser beiden Systeme ist von methodischer Seite wahrscheinlich auch nicht zu führen.

Aktuell sehe ich keine Notwendigkeit, das in Österreich über die letzten Jahrzehnte gut funktionierende Konzept des (Not-)Arzt-gestützten Rettungsdienstes infrage zu stellen und den Notarzt durch einen Paramedic zu ersetzen. Als Grund für diese Diskussion wird der Mangel an Notärzten genannt. Bei der im internationalen Vergleich hohen Arztdichte kann das wohl nur ein relativer Mangel im Sinne eines Verteilungsproblems sein. In der Tat haben sich in den letzten Jahren die Rahmenbedingungen für die Tätigkeit als Notarzt außerhalb eines regulären Dienstverhältnisses, das sind sicher mehr als die Hälfte der geleisteten Notarztdienste, durch geänderte Ansichten der Gebietskrankenkassen deutlich verschlechtert. Dadurch verliert der Notarztdienst an Attraktivität. Sollte es trotz Optimierung der Rahmenbedingungen tatsächlich zu einem absehbaren beziehungsweise manifesten Mangel an Ärzten im Rettungsdienst kommen, bedarf es einer umfassenden Diskussion aller beteiligten Strukturen, um die gesetzlichen, sozialpolitischen, gesellschaftspolitischen und finanziellen Rahmenbedingungen für den Rettungsdienst in Österreich festzulegen.

Wäre ich ein kritisch verletzter oder erkrankter Patient, würde ich mir einen „guten“ (Not-)Arzt – das ist ein Arzt, der seine Erfahrung aus dem klinischen Bereich mit Fingerspitzengefühl unter den erschwerten Bedingungen an einem Notfallort einsetzen kann – wünschen und keinen Notfallsanitäter, Rettungsassistenten oder Paramedic. In einer repräsentativen Umfrage (market, 02/14) geben 59 Prozent der befragten Österreicher an, dass sie im Notfall von einem Notarzt und nicht (ausschließlich) von einem Sanitäter mit Notkompetenzen versorgt werden möchten.

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