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Dr. Christa Levin-Leitner Fachärztin für Kinderheilkunde, Purkersdorf
 
Standpunkte 28. Jänner 2013

Konsequenzen statt Aufschrei

Es wäre so leicht, Kinder gesund und glücklich durch die Schulzeit bis in die Selbstständigkeit zu begleiten. Man bräuchte nur auf gesunde Ernährung, ausreichende Bewegung und eine harmonische Familien-Atmosphäre zu achten. Im Alltag scheint dies aber immer seltener zu gelingen. Nur in wenigen Familien wird täglich frisch gekocht, zumindest einmal pro Tag gemeinsam gegessen und der Tag besprochen. Am Wochenende gibt es dann Aktivitäten, bei denen die Kinder mit dabei sein müssen, obwohl sie viel dringender Ruhe und Zuwendung der Eltern bräuchten. Die Folge ist Überforderung: Kindergartenkinder sind häufiger krank, Schulkinder zeigen Leistungsprobleme und Jugendliche trösten sich mit Alkohol, Rauchen oder Drogen. Das gestörte Essverhalten kommt in allen Altersgruppen vor. Anfangs werden Kleinkinder vorwiegend mit Süßigkeiten belohnt, später ist das Trinken von Softdrinks und das schnelle Verschlingen von Fastfood oder Fertiggerichten die Ursache für fehlendes Sättigungsgefühl. Auch der Bewegungsmangel wird den Schülern anerzogen. Jedes Kind liebt es von Natur aus, sich zu bewegen. Dieser natürliche Bewegungsdrang wird spätestens ab der Schulzeit drastisch eingeschränkt.

Von medizinischer Seite werden bei den Kongressen regelmäßig alarmierende Zahlen präsentiert. In den Medien wird dann kurzzeitig dramatisch berichtet, doch Konsequenzen gab es in den vergangenen 20 Jahren leider keine. Intentionen von uns Kinder- und Jugendärzten, das ausführliche Beratungsgespräch – sprich „Lifestyle-Beratung“ – in unseren Verrechnungskatalog altersunabhängig aufzunehmen, stieß bisher bei den Krankenkassenträgern auf taube Ohren. Selbst bei Vorliegen von krankhaften Veränderungen wie Adipositas, psychischen Auffälligkeiten oder haltungsbedingten Schmerzen und Krankheiten ist eine Finanzierung der Therapien nicht immer gewährleistet.

Nach Vorliegen der aktuellen Daten aus Niederösterreich bleibt nur zu hoffen, dass nicht wiederum nur die Ergebnisse analysiert und bearbeitet werden, sondern dass wahre Prävention folgen wird.

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