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© Ärztekammer für Wien/Gregor Zeitler
Dr. Thomas Holzgruber Österreichische Ärztekammer
 
Standpunkte 21. Jänner 2013

Kein Sonderfach in Sicht

Die Ärztekammer fordert seit 40 Jahren, mehr die ambulante Versorgung zu stärken. Gleichzeitig stehen wir vor der Herausforderung, dass seit dem Jahr 1980 die Zahl der Kassenverträge gleich geblieben ist. Eine Ausweitung der Öffnungszeiten und damit die Verschiebung der Patientenströme von den Spitälern in den niedergelassenen Bereich ist demzufolge unmöglich, hier muss sich die Politik dazu bekennen, mehr Kassenverträge zuzulassen. Hoffnungsvolle Ansätze könnten das Ärztezentrum beim neuen Krankenhaus Nord in Wien bieten sowie die Ausweitung des Ärztefunkdienstes, der auch in einem Kontrollamtsbericht der Stadt Wien gefordert wird; beides würde von der Ärztekammer für Wien unterstützt werden Voraussetzung dafür ist aber immer, dass auch die notwendigen Mittel zur Verfügung stehen und daran scheiterte es bisher, weil man nichts willens ist, diese Stärkung des ambulanten Bereiches zu finanzieren, obwohl wir glauben, dass durch die Spitalsentlastung dadurch langfristig Geld besser eingesetzt wird.

Wir unterstützen auch die zentrale Aufnahme und die Erstversorgungsstationen, gehen aber nicht konform mit der Forderung nach einem eigenen Sonderfach. In der Praxis werden die Berufsausübungsfelder derzeit schon immer schmäler. Wir haben in Österreich 45 Sonderfächer und liegen damit im europäischen Mittelfeld. Die Zahl der Sonderfächer variiert europaweit zwischen 20 und 118 Fächern. Der Facharzt ist immer nur in seinem Fach berufsberechtigt, daher setzen vor allem kleinere Spitäler bevorzugt Internisten ein, die eine sehr breite Ausbildung eventuell ergänzt mit Spezialisierungen und Additivfächer mitbringen und daher flexibel eingesetzt werden. Ein eigenes Sonderfach lehnt die Ärztekammer ab, da es sonst zu einer weiteren Zersplitterung der Fächer kommt und die Beschränkung der Berufsausübung auch kaum andere Beschäftigungsfelder für Notfallmediziner mit sich bringt und die Abgrenzung zu anderen Sonderfächern unklar ist.

Die Ärztekammer spricht sich aber für eine Verstärkung der Kompetenz aller Ärzte in notfallmedizinischer Hinsicht und eine verstärkte interdisziplinäre Ausbildung aus. Dazu existiert auch ein gemeinsames Konzept des Hauptverbands, der Länder und der Ärztekammer, welches eine gemeinsame Basisausbildung aller Ärzte vorsieht, die auch eine notfallmedizinische Grundausbildung umfasst.

Derzeit stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, den Herausforderungen auf Notfallabteilungen zu begegnen: ein Additivfach, das aber nur der Minister einrichten kann und das nichts an den berufsrechtlichen Beschränkungen ändert, da Additivfächer die Berufsbefugnis nicht erweitern.

Rasch und einfach umsetzbar wären Neuerungen bei Notarztdiplomen, speziell abgestimmt auf den intramuralen Bereich, wie es sie bereits für die extramurale Tätigkeit gibt. Der Trend hin zu Notfallseinheiten in Krankenhäusern gibt dieser Diskussion wieder neuen Stoff, denn hier wird es nötig sein, auch mit entsprechenden Personalkapazitäten nachzuziehen. Aus Sicht der Ärztekammer kann die derzeitige Lücke im fachärztlichen Bereich nur mit Allgemeinmedizinern gefüllt werden, die sich über entsprechende Zusatzausbildungen für die Aufgaben an den entsprechenden Abteilungen qualifizieren.

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