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© Behringer
Prof. Dr. Wilhelm Behringer, MBA Präsident der Österreichischen Vereinigung für Notfallmedizin (AAEM)
 
Standpunkte 21. Jänner 2013

Sonderfach Notfallmedizin

Über die Zuweisung der Notfallpatienten zu den Notfallambulanzen der verschiedenen klinischen Sonderfächer entscheiden im Alltag oft Nicht-Mediziner: Angehörige, Taxifahrer, Portiere. Bei falscher Zuweisung oder unklarem Beschwerdebild wird der Patient dann an eine oder mehrere Notfallambulanzen der jeweiligen Sonderfächer weiterverwiesen. Dies führt einerseits zu Konflikten in der Frage der Zuständigkeit und andererseits zu verlängerten Wartezeiten für den Patienten. Oft versehen meist erst kurz in der Ausbildung stehende Ärzte Dienst in den Notfallambulanzen.

Dies führt einerseits zu einer kostenintensiven breit gefächerten Absicherungsdiagnostik und andererseits wegen diagnostischer Unsicherheit vermehrt zu stationären Aufnahmen. Mit einem optimierten Notfallmanagement durch speziell für Notfälle ausgebildete Notfallmediziner könnten daher Ressourcen eingespart und Kapazitäten sinnvoller genützt werden. Spitäler mit zeitgemäßen Qualitätsansprüchen benötigen auch im Sinne eines modernen Risikomanagements entsprechende medizinische Versorgungsstrukturen an der Eintrittsschnittstelle.

Zur Lösung der hier angesprochenen Probleme bietet sich die Einführung des für Österreich neuen Sonderfaches „Notfallmedizin“ an. In den USA ist Emergency Medicine seit mehr als 25 Jahren ein eigenes Sonderfach, ebenso in Großbritannien und Australien. Auch in dreizehn von 27 EU-Staaten ist die Notfallmedizin ein eigenes klinisches Sonderfach, und viele andere Länder innerhalb der EU planen die Einführung eines Sonderfaches. Die Versorgung von Notfallpatienten bedarf einer entsprechenden Ausbildung. Das Tätigkeitsprofil eines Facharztes für Notfallmedizin umfasst teilweise die Tätigkeiten des Arztes für Allgemeinmedizin, jedoch um wesentliche spezielle Kenntnisse der Notfallsituationen und insbesondere der Intensivmedizin erweitert.

Wesentliche Vorteile des klinischen Sonderfaches Notfallmedizin mit einer fachübergreifenden Notfallabteilung sind klare Zuständigkeiten für alle Notfälle, die ins Krankenhaus kommen, damit die Vermeidung von Fehl- und Mehrfachzuweisungen und dadurch kürzere Behandlungszeiten für die Patienten. Gleichzeitig eröffnet sich ein Potenzial zur Einsparung stationärer Aufnahmen durch eine kompetente Evaluierung und sofortige Therapie in der Notfallabteilung.

Nur in Ausnahmefällen sollte die Beiziehung eines Konsiliararztes eines anderen Sonderfaches bzw. die Zuweisung an eine Spezialambulanz notwendig werden. Die Daten der Klinik für Notfallmedizin aus dem AKH Wien belegen, dass rund 90 Prozent der Patienten der Notfallambulanzen ambulant behandelt werden können. Die Einführung des klinischen Sonderfaches Notfallmedizin bedeutet auf keinen Fall einen Verlust an Aufgaben für andere Sonderfächer, im Gegenteil, sie führt zu einer Entlastung der Kollegen anderer Sonderfächer, die sich klar auf die ganz spezifischen Akutfälle ihres Sonderfaches konzentrieren können.

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