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Dr. Ernest Groman Wissenschaftlicher Leiter des Nikotin Instituts
 
Standpunkte 14. Jänner 2013

Betreuungsstrukturen etablieren

Die Diskussion um eine Kostenübernahme für Medikamente in der Raucherentwöhnung durch die Kassen ist für mich zweitrangig. Die Arzneimittelkosten dafür decken sich in etwa mit den Zigarettenkosten. Das ist durchaus zumutbar und wird auch akzeptiert.

Viel sinnvoller wäre es, endlich flächeneckende, strukturierte Betreuungsprogramme zu etablieren, die man Rauchern, die aufhören wollen, anbieten kann. Dagegen sperren sich aber bis heute wesentliche Player des Gesundheitssystems.

Wir vom Nikotin Institut bieten zwar ambulante Programme an, die dankenswerterweise von der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse finanziert werden, sie bleiben aber bislang engagierte Einzelinitiativen, sind nicht in eine Gesamtstruktur integriert. 5.000 Menschen haben wir bisher betreut, womit die noch immer weitverbreitete Meinung, auch unter Kollegen, dass Raucher ja gar nicht aufhören wollen, widerlegt ist. Natürlich kann man niemanden zum Aufhören zwingen, aber der Bedarf ist nachweisbar vorhanden.

Wenn ein Drittel aller Raucher aufhören möchte – die Zahl halte ich für realistisch –, dann müsste man diesen auch etwas anbieten können, effektive externe Betreuungsprogramme etwa. In Niederösterreich gibt es inzwischen einige davon, in Wien hingegen fast keine.

Wichtig wäre zudem auch eine umfassende Betreuungsstruktur in unseren Spitälern. Wer heute in ein Krankenhaus eingeliefert wird, durchläuft alle Abteilungen, um festzustellen, woran der Patient leidet. Der oft dahinter liegende Grund seiner Beschwerden, das Rauchen, wird aber nicht untersucht, meist nicht einmal thematisiert. Hier braucht es integrierte Programme, engagierte Ärzte und entsprechende Kommunikation, um die Patienten aktiv auf die Möglichkeit einer Entwöhnung hinzuweisen.

Entscheidend ist also letztendlich nicht die Frage, ob Medikamente bezahlt werden, sondern, ob eine interne und externe Betreuungsstruktur etabliert werden kann, die über Einzelinitiativen und eine Beratungshotline hinausgeht. Dafür wäre ein stärkeres finanzielles Engagement der Kassen wünschenswert.

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