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Prof. Dr. Michael Kunze Institut für Sozialmedizin an der Meduni Wien
 
Standpunkte 14. Jänner 2013

Arztleistung honorieren

Es gibt grundsätzlich kaum etwas Sinnvolleres in der Medizin als Rauchern zu helfen, mit dem Rauchen aufzuhören und dies auch entsprechend finanziell zu unterstützen. Ich sage immer zu meinen Studenten: Nennen Sie mir nicht Krankheiten, die durch das Rauchen entstehen können, nennen Sie lieber welche, die das nicht tun. Das Rauchen ist für Gesundheitsschäden von Kopf bis Fuß verantwortlich. In diesem Sinne zählen Maßnahmen zur Raucherentwöhnung zu den wichtigsten Präventivmaßnahmen in der Medizin.

Raucherentwöhnung ist aber nicht nur eine präventive, sondern kann auch eine therapeutische Maßnahme sein. Denken Sie an bestimmte Krankheitsbilder, die einen kausalen Therapieansatz verlangen. Es gibt die etablierte Diagnose „Tabakabhängigkeit“ und dazu eine etablierte Therapie. In solchen Fällen ist es durchaus üblich, dass eine entsprechende Refundierung der Kosten erfolgt.

Im präventivmedizinischen Sinn ist das aber leider nicht der Fall. Es gibt zwar Programme einzelner Krankenkassen – um etwa in Betriebe oder Gemeinden zu gehen und dort Raucherentwöhnung anzubieten –, besonders hervorzuheben ist da etwa die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse, aber strukturierte, flächendeckende Initiativen gibt es nicht.

Viel wichtiger als die Kostenübernahme bei den Medikamenten wäre aus meiner Sicht dabei die Abdeckung der Leistungen. Nur wenn ich die ärztlichen Beratungs- und Begleitungsleistungen auch entsprechend honoriere, kann ich etwa niedergelassene Ärzte motivieren, hier aktiv zu werden. Mit der finanziellen Unterstützung der Therapieleistung zu beginnen, wäre daher gesundheitspolitisch viel wesentlicher, als beim Medikament selbst.

Aus Sicht einer Kosten-Nutzen-Rechnung ist jedenfalls jede finanzielle Unterstützung zur Raucherentwöhnung sinnvoll. Wenn ich denke, welche Therapie- und Medikamentenkosten ein Patient mit chronischer Bronchitis verursacht, ist es mir vollkommen unverständlich, dass medizinische Leistungen – aber auch etwa Nikotinersatzpräparate – nicht bezahlt werden.

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