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© Peter Dujmic
Prof. DI Dr. Hans-Peter Hutter Institut für Umwelthygiene, Zentrum für Public Health, MedUni Wien
 
Standpunkte 7. Jänner 2013

Belastungen minimieren

Aus der wissenschaftlichen Datenlage lässt sich ein erhöhtes Risiko für bestimmte Hirntumoren durch Telefonieren mit dem Handy ableiten. Nun gilt es, jene Maßnahmen, die eine Reihe namhafter Organisationen seit Langem empfehlen, stärker als bisher einzufordern.

Dies bedeutet nicht Verteufelung oder gar Abschaffung des Mobilfunks. Es geht schlicht darum, aus Vorsorgegründen vernünftig mit der Technologie umzugehen. Das Vorsorgeprinzip ist ja genau dann anzuwenden, wenn Hinweise für ein erhöhtes Gesundheitsrisiko vorliegen, eine abschließende Beurteilung aber noch nicht möglich ist. Dies bedeutet: Belastungen minimieren und einfache Regeln einhalten, wie sie der Oberste Sanitätsrat und die Ärztekammer seit Jahren empfehlen.

Die Zwischenrufe der Mobilfunkindustrie – es handle sich dabei um „Panikmache“ – kann man nicht ernst nehmen. Niemand trennte sich völlig verängstigt von seinem Handy, als die WHO/International Agency for Research on Cancer (IARC) Mobilfunk als „möglicherweise Krebs erzeugend“ einstufte. Es ist vielmehr umgekehrt: Die Industrie bagatellisiert diese Gefahreneinschätzung.

Von Tabakrauch über Dieselruß bis zu Mobilfunk und Klimawandel – die jeweils betroffene Industrie ereifert sich bei jedem Umweltthema mit den gleichen Argumenten gegen „Beschränkungen“. Und nach wie vor hat sie damit Erfolg. Politik und Verwaltung haben seit der Einführung des Mobilfunks, anstatt die Bevölkerung zu schützen, der Mobilfunkindustrie Privilegien eingeräumt, die zum Beispiel Anrainer von Basisstationen oft nicht nachvollziehen können, etwa keine Thematisierung von Gesundheitsbedenken in Bauverfahren.

Statt einfache Kennzeichnungen zur Strahlungsstärke auf den Geräten anzubringen, werden Angaben dazu im Kleingedruckten versteckt. Die Mobilfunkindustrie muss gesetzlich veranlasst werden, die Handy-Nutzer über die Notwendigkeit und die Möglichkeiten der Expositionsminderung aufzuklären. Auch und gerade Ärzte sollten sich dafür einsetzen. Vor allem, wenn es um die Kindergesundheit geht.

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