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Dr. Felix Fischer Emeritierter Leiter der Abteilung für Abhängigkeitserkrankungen der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg Linz
 
Standpunkte 4. Dezember 2012

Kater ist nicht das Problem

In schöner Regelmäßigkeit wird ein Mittelchen gehypt, das die Nebenwirkungen von tüchtigen Alkoholisierungen beim Partymachen erleichtern soll, so wird auch jetzt wieder mit einem Drink aus Kaktusfeigen und Ingwer geworben. Ganz zufällig am Beginn der Adventzeit und Faschingssaison. Es stellt sich die Frage, ob das ärztlich relevant ist?

Ich meine doch! Denn für Jugendliche ist die Alkoholisierung an sich die Gefahr – mit oder ohne Kater spielt dabei gar keine Rolle. Eine Gefahr, die von uns Erwachsenen – und ganz besonders hier in Österreich – gerne elegant ausgeblendet wird. Selbst geringe Mengen von Alkohol, geschweige denn Rauschmengen – also kurz: Party, Party – erhöhen die Risikobereitschaft durch die enthemmende Wirkung des Alkohols enorm. Ich höre geradezu schon das spöttische Geraune meiner eigenen Kollegenschaft von wegen „sauertöpfischer Alter …“ und „ein vergnügliches Glaserl wird doch nicht …“ Aber: Sexuelle Übergriffe und Gewalt gegen die weiblichen Alkoholisierten, die sich in riskante Situationen begeben, sind ein gewaltiges Problem, ein peinlich verschwiegenes. Übrigens ist das keineswegs ein Unterschichtproblem. Bei männlichen Jugendlichen ist es meist erhebliche Gewalt als Raufhändel und Randale mit und ohne Waffen – zum Beispiel am Rande der Fußball- und Eishockeystadien, wo in den VIP-Loungen so manche VIPs ihr Glaserl süffeln. Die Jugendlichen sind häufig durch Alkohol aufgestachelt und aus Fehleinschätzungen der eigenen Stärke und Situation heraus folgen erhebliche Verletzungen. Und noch immer ist das Unfallrisiko, ob im Straßenverkehr – passiv und aktiv – oder beim Sport, zum Beispiel beim Wintersport, relevant. So kommen dann viel zu häufig die Schlagzeilen auf die Titelseiten. Alle Rezeptchen und Mittelchen, die suggerieren, dass Alkoholtrinken, abseits der Sucht, ohnehin harmlos und trendy sei, insbesondere in Rauschmengen, steigern die beschriebenen Gefahren für die Jugendlichen noch zusätzlich. „Kinder braucht man nicht erziehen, … sie machen uns eh alles nach“. (Karl Valentin)

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