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Prof. Dr. Michael Musalek Ärztlicher Direktor des Anton Proksch Instituts, der größten Suchtklinik Europas
 
Standpunkte 4. Dezember 2012

Schützende Warnsignale

Neben vielen sozialen und persönlichen Einflüssen, die den Alkoholkonsum mitbestimmen, ist die Verfügbarkeit des Alkohols letztlich der entscheidende Faktor dafür, wie viele Alkoholkranke eine Gesellschaft hervorbringt bzw. wie hoch die Zahl derer ist, die Alkohol in einem problematischen Ausmaß konsumieren. Das haben internationale Studien eindeutig nachgewiesen. Jede Maßnahme, die also die Verfügbarkeit von Alkohol erhöht, führt zwangsweise zu einer höheren Zahl von Alkoholkranken und -gefährdeten. Jedes Marktangebot wiederum, das verspricht, unangenehme Nebenwirkungen des Alkohols zu verhindern, erhöht diese Verfügbarkeit. Es ist daher zu erwarten, dass das Problem der Alkoholkrankheit mit solchen Angeboten bestimmt nicht positiv beeinflusst wird. Dass wir in unserer ohnehin schon prekären Situation in Österreich darüber nicht glücklich sein können, liegt auf der Hand. Es gibt zwei Gruppen von Alkoholkonsumenten: diejenigen, die Alkohol gut vertragen, und jene, die unter seinen Neben- und Nachwirkungen leiden. Die zweite Gruppe ist tendenziell weit weniger krankheitsgefährdet, denn die unerwünschten Nebenwirkungen sind letztendlich auch als Warnzeichen zu sehen. Wenn diese Warnung scheinbar ausgeschaltet wird – scheinbar, weil die Wahrnehmung maximal verändert, nicht aber die schädigende Wirkung des Alkohols an sich aufgehoben wird –, dann animiert das natürlich eher dazu, noch mehr zu trinken.

Wichtiger wäre es, die Kompetenz im Umgang mit Alkohol zu erhöhen. Es ist leider so, dass Alkoholkonsum zwar gesellschaftlich bagatellisiert, die Alkoholkrankheit aber gleichzeitig dramatisiert wird. Beide Verhaltensmuster sind wenig förderlich und könnten durch mehr Kompetenz korrigiert werden. Außerdem sollten wir lernen, bewusster mit Alkohol umzugehen. Alkohol ist eigentlich ein Genussmittel. Übermäßiger Konsum wirkt allerdings anästhesierend und damit Genuss beeinträchtigend. Viel sinnvoller wäre es, alkoholische Getränke von hoher Qualität, aber nur in kleinen Mengen zu genießen.

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