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Dipl. Biol. Silke Bitz Sprecherin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der „Ärzte gegen Tierversuche e.V.“, Deutschland
 
Standpunkte 26. November 2012

Tierversuche sind unethisch und eine medizinische Sackgasse

Tierversuche sind aus medizinischen Gründen abzulehnen. Die Krankheiten des Menschen können durch Tierexperimente weder in ihren wirklichen Ursachen erforscht noch geheilt werden. Die im Labor künstlich hervorgerufene Schädigung des Tieres hat außer gewissen Symptomen nichts mit der menschlichen Erkrankung und den ihr zugrunde liegenden Ursachen zu tun. Die weitgehende Ausrichtung der medizinischen Forschung am Tierversuch ist maßgeblich verantwortlich dafür, dass es trotz millionenfacher Tieropfer, enormer wirtschaftlicher Investitionen und zahlreicher Heilsversprechungen bei der Bekämpfung der heutigen Massenkrankheiten wie Krebs, Herz- und Kreislauferkrankungen, Diabetes, Rheuma oder Allergien keinen Durchbruch gibt.

Einer der Gründe dafür ist die mangelhafte Übertragbarkeit von tierexperimentellen Ergebnissen auf den Menschen. Das Tierexperiment erlaubt keine zuverlässigen Aussagen darüber, ob und inwieweit sich der menschliche und der tierische Organismus vergleichbar verhalten. Eine Folge der dennoch praktizierten Übertragung sind die vielen aufgrund von Tierversuchen für sicher gehaltenen Medikamente, welche wieder vom Markt genommen werden müssen, weil sie beim Menschen schwerwiegende oder gar tödliche Nebenwirkungen hervorrufen. In Deutschland sterben jährlich rund 60.000 Menschen an für sicher gehaltenen Medikamenten.

Grundlegende Unterschiede unter anderem in Stoffwechsel, Anatomie und Lebensweise bleiben im Tierversuch vollkommen unberücksichtigt und menschliche Krankheiten werden auf Symptome reduziert, die im Tierversuch nachgestellt werden. Die Erforschung der wirklichen Ursachen unserer Krankheiten ist jedoch wesentlich sinnvoller, billiger und aussichtsreicher. So konnte durch umfangreiche Studien mit kranken und gesunden Menschen gezeigt werden, dass die heutigen Zivilisationskrankheiten vor allem durch Faktoren wie Rauchen, Alkoholmissbrauch, fleisch- und fettreiche Ernährung, Stress und mangelnde Bewegung bedingt sind. Kein Tier muss für diese wichtigen Untersuchungen leiden und sterben.

Der Tierversuch ist eine unethische Methode, bei der leidensfähige Lebewesen zu Messinstrumenten degradiert werden. Ein Paradigmenwechsel hin zu anwendungsorientierter, tierversuchsfreier Forschung ist erforderlich, um die Basis zu schaffen für den bestmöglichen Schutz des Menschen vor unerwünschten Nebenwirkungen und zur Entwicklung von patientenspezifischen Therapiemöglichkeiten. Potenzielle Wirkstoffe können an Zellsystemen oder Mikroorganismen getestet werden. In ausgeklügelten Computersimulationen, die auf menschlichen Daten basieren, wird die Verstoffwechslung einer Substanz im menschlichen Körper detailliert dargestellt. Auf Biochips werden wie in einem künstlichen Minimenschen Auswirkungen auf bestimmte Organe oder möglicherweise schädliche Auswirkungen erforscht. Die Kombination solcher Verfahren liefert für den Menschen aussagekräftige Ergebnisse.

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