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Dr. Karl Forstner, Vizepräsident der Österreichischen und Präsident der Ärztekammer Salzburg
 
Standpunkte 19. November 2012

Ambulanzen am Limit

Die Politik will mit ihrer Einsparreform bei der Gesundheit elf Milliarden bis 2020 einsparen. Das ist eine gewaltige Summe. Die Folgen für die Bevölkerung und für diejenigen, die im System arbeiten, werden dramatisch sein, auch für die gestellten Ärzte.

Schon jetzt erleben wir eine Frequenzsteigerung in den Ambulanzen, die längst an ihre infrastrukturellen und personellen Grenzen stößt. Die Hochleistungsmedizin von heute bewegt sich bereits am Limit, ist mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht mehr auszubauen. Genau das strebt die Gesundheitsreform aber an, indem Krankenhausbetten abgebaut und gleichzeitig der niedergelassene Bereich ausgehungert werden sollen. Der Bedarf wird aber gleichzeitig nicht weniger, im Gegenteil, alleine aufgrund der demografischen Entwicklung wird dieser weiter steigen. Die Patienten müssen also zwangsläufig in den ambulanten Bereich ausweichen, der bereits heute hoffnungslos überlaufen ist.

Wir stehen einem Kulturwechsel in der Gesundheitspolitik gegenüber. Es wird nicht mehr der Konsens gesucht, sondern von außen über die Involvierten einfach zentralistisch drübergefahren. Es darf nicht sein, dass die Politik Ärzten den Schwarzen Peter zuschiebt, anstatt der Bevölkerung reinen Wein einzuschenken und zuzugeben, dass bestimmte Leistungen nicht mehr für alle zugänglich sein werden. Natürlich könnten die Ärzte mit dem angestrebten marktwirtschaftlichen System, das immer mehr auf private Leistungen setzt, rein finanziell durchaus leben, aber das ist nicht unsere Intention. Wir wollen ein soziales, faires und gerechtes Gesundheitssystem haben. Demgegenüber werden aber Ärzte durch die Einsparreform in die Position gedrängt, Patienten Leistungen zu verweigern – sie stehen damit in einem extremen moralischen und ethischen Zwiespalt.

Was jetzt als Entwurf am Tisch liegt, das werden wir uns daher so nicht gefallen lassen, es nicht widerspruchlos hinnehmen. Die weitere Vorgangsweise werden wir im Rahmen eines Konvents, zu dem alle Ärzte eingeladen sind, festlegen.

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