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Dr. Artur Wechselberger Präsident der Österreichischen Ärztekammer
 
Standpunkte 19. November 2012

Drohende Folgen

Die sogenannte Gesundheitsreform orientiert sich am Stabilitätspakt und den Konsolidierungszielen der Europäischen Union statt an gesundheitspolitischen Kriterien. Es geht dabei lediglich ums Einsparen, Zentralisieren und Rationieren.

Die Pläne von Bund, Ländern und Sozialversicherungen lassen nicht erkennen, ob sie unter Auslagerungen aus dem stationären in den niedergelassenen Bereich eine Verlagerung in ausgebaute Spitalsambulanzen oder in die Praxen niedergelassener Ärzte meinen. Wo soll der angestrebte „Point of Best Service“ liegen? Welche „Doppelstrukturen“ sollen abgebaut werden? Jedenfalls scheint es, dass mit den Auslagerungen, wenn sie denn tatsächlich erfolgen, keine Mittelverlagerungen einhergehen oder gar ein Geldfluss zum Ausbau des Praxisbereichs vorausgehen wird. Also Mehrarbeit ohne erhöhte Mittel. Oder aber der niedergelassene Bereich ist ohnehin gar nicht gefragt und die fachärztliche Versorgung soll in Richtung Spitalsambulanzen gesteuert werden. Wie auch immer: Die Konkurrenzsituation für die praxisführenden Ärzte wird sich erhöhen, die Ertragssituation der Praxen nicht verbessern. Den Einsparungen der Kassen in den letzten Jahren sollen weiter Einsparungen folgen. Schließlich müssen sie 40 Prozent des Sparpakets einbringen.

Aber nicht genug damit. Länder und Bund wollen auch in die Honorar- und Tarifautonomie der Selbstverwaltung eingreifen und bei den Einkommen der Ärzte mitentscheiden – ebenso wie bei der Planung von Kassenarztstellen.

Straffer Dirigismus mit einem Trend zu Richtlinienmedizin, Leitlinien und ein noch rigideres Medikamentenregime drohen. Das bedeutet auch: weg von der individuellen Patientenbehandlung und Störung des Vertrauensverhältnisses zwischen Patient und Arzt. Bürokratie, Behandlungsdirigismus und ökonomische Zwänge könnten noch mehr Jungmediziner davor zurückhalten, sich in einer Ordination niederzulassen. Verwaiste Arztstellen werden dann den Arbeitsdruck in den Praxen weiter erhöhen und den Sog in die Krankenhäuser noch steigern.

Dr. Artur Wechselberger
Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Ärzte Woche 47/2012

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