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Dr. Christine Klien Präsidentin der Gesellschaft für Arbeitsmedizin, ärztliche Leiterin des Arbeitsmedizinischen Zentrums Vorarlberg
 
Standpunkte 12. November 2012

Arbeit darf nicht krankmachen

Der Fehlzeitenreport 2011 zeigt wie in den Vorjahren, dass die Erkrankungen des Bewegungsapparats die meisten Krankenstandstage, die Atemwegserkrankungen die meisten Krankenstandsfälle verursachen, aber auch, dass die psychischen Erkrankungen zunehmen. Hingegen war das Arbeitsunfallrisiko 2011 nur mehr halb so groß wie Mitte der 1990er-Jahre. Dieses Ergebnis wurde durch Fortschritte in der Arbeitssicherheit, der Technologie und durch Verbesserungen des Arbeitnehmerschutzes erreicht. Wenn wir bezüglich arbeitsbedingter Beschwerden und Erkrankungen vor allem des Bewegungsapparats und der Psyche ähnliche Erfolge erreichen wollen, müssen wir uns noch viel mehr mit Arbeitsabläufen und objektivierbaren physischen wie psychischen Belastungen auseinandersetzen. Die Arbeitsmedizin mit ihrem Wissen um physiologische Prozesse sowie Kenntnis der Arbeitsbedingungen muss in Analyseverfahren mit einbezogen werden und sich aktiv mit Maßnahmenentwicklungen und gesundheitsförderlichen Veränderungen von Arbeitsbedingungen und von individuellem Verhalten der Mitarbeiter auseinandersetzen.

Der Fehlzeitenreport widmet sich ausführlich dem Thema Unternehmenskultur und krankheitsbedingte Fehlzeiten. Wichtig für ein gutes Arbeitsumfeld sind Führungsqualität, Unterstützung und Wertschätzung. Wichtig sind aber auch Arbeitsorganisation, Arbeitsabläufe, Arbeitsdichte etc. Nicht die von Führungskräften häufig an uns Arbeitsmediziner gestellte Frage: „Wie erkenne ich Burn-out bei meinen Mitarbeitern?“ ist zielführend, sondern: „Was können wir im Unternehmen tun, um Burn-out-fördernde Arbeitsbedingungen zu vermeiden?“

Ähnlich ist die Frage zu stellen: was müssen Unternehmen tun, um Menschen bis zur Pension ein Arbeitsumfeld zu ermöglichen, welches sie nicht krankmacht und das den normalen alterungsbedingten Veränderungen angepasst ist? Die Arbeitsmedizin als Prävention im betrieblichen Kontext ist für diese schwierigen Fragen der kompetente Partner.

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