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Mag.a Christine Mayrhuber Ökonomin am WIFO, Forschungsbereich Arbeitsmarkt, Einkommen und soziale Sicherheit
 
Standpunkte 12. November 2012

Dringender Handlungsbedarf

Das Konstante an der Arbeitswelt ist ihre ständige Veränderung. Der Übergang zur wettbewerbsorientierten Dienstleistungsgesellschaft – die Mehrheit der Beschäftigten arbeitet in Dienstleistungsberufen – stellt einerseits eine Veränderung an die Qualifikationsanforderungen der Beschäftigten und andererseits an die Arbeitsorganisation und die Arbeitsabläufe in den Betrieben dar. Nach Jahrzehnten, in welchen körperliche Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz reduziert werden konnten, treten jetzt psychische Belastungsfaktoren in den Vordergrund. In Österreich geben rund 14 Prozent der unselbstständig Beschäftigten an, niemals genug Zeit für die Arbeit zu haben, ein Spitzenwert im europäischen Vergleich. Gemäß den regelmäßigen Erhebungen der „Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen“ sind in Österreich auch überdurchschnittlich viele Beschäftigte von „kurzfristigen Terminen“ und „hohem Arbeitstempo“ betroffen. Im Ländervergleich zeigt sich, dass die hohe Arbeitsintensität in Österreich mit einem geringeren Grad an Arbeitsautonomie einhergeht. Wie der jüngste WIFO-Fehlzeitenreport belegt, beeinflussen neben den beruflichen Anforderungen und der Eigenkontrolle der Arbeit auch Anerkennung und sozialer Rückhalt am Arbeitsplatz den Gesundheitszustand der Beschäftigten und damit die Leistungsfähigkeit der Betriebe. Psychische Erkrankungen sind sowohl für den steigenden Anteil der Krankenstände (7,7 Prozent aller Krankenstandstage 2011) als auch bei den krankheitsbedingten Erwerbsbeendigungen (8.750 der 27.170 krankheitsbedingten Pensionierungen 2011 oder 32 Prozent) verantwortlich. Alleine diese Zahlen legen den dringenden Handlungsbedarf offen, der angesichts der Erhöhung des faktischen Pensionsantrittsalters noch verschärft wird. Es braucht nicht nur Verbesserungen im individuellen Gesundheitsverhalten, sondern auch strukturelle betriebliche Veränderungen in den Rahmenbedingungen der Erwerbsarbeit zur Reduktion der psychischen Belastungsfaktoren.

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