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© A. Ruhdorfer
Dr. Josef Huber Präsident der Ärztekammer für Kärnten, niedergelassener Wahlarzt
 
Standpunkte 29. Oktober 2012

Absurde Bestimmungen

Stellen Sie sich vor, Sie wohnen im südöstlichen Eck von Kärnten in Eisenkappel. Ihr erkranktes Kind braucht am Wochenende dringend ein Medikament. Der Hausarzt ist auch rasch zur Stelle, aber er darf Ihnen das benötigte Mittel nicht geben. Der Verfassungsgerichtshof hat nämlich kürzlich entschieden, dass der Arzt seine Hausapotheke aufgeben muss, weil sich eine Apotheke in Eisenkappel ansiedelt. Außerhalb der Dienstzeiten müssen Sie daher zur nächsten Apotheke nach Ferlach oder Griffen fahren, hin und zurück sind das gut 100 Kilometer!

Dieses Beispiel, das ab 2013 Realität ist, zeigt die Absurdität der geltenden Bestimmungen. Sie widersprechen in frappanter Weise jedem Grundsatz moderner Dienstleistung. Denn diese funktioniert nach dem Prinzip, möglichst viel Angebot an einer Stelle (One-Stop-Shop) zu konzentrieren. Die Politik in Österreich macht aber genau das Gegenteil. Die Patienten werden im Kreis geschickt. Besonders betroffen davon ist die Landbevölkerung. Aber auch in den Städten ärgern sich zum Beispiel Vorsorgebewusste, die eine Impfung brauchen. Sie müssen beim Arzt das Rezept holen, es dann in der Apotheke einlösen und wieder zurück zum Arzt kommen, der sie impft.

Es kann daher nicht verwundern, dass bei einer OGM-Umfrage 66 Prozent der Befragten das zwingend logische Prinzip des kurzen Weges fordern. Sie verlangen mit Recht, dass sie ihre Medikamente unmittelbar bei ihrem Arzt bekommen können. Diagnose, Therapie und Medikamente aus einer Hand – das stellt eine optimale medizinische Nahversorgung sicher.

Dringend nötig wäre daher, ein Dispensierrecht für alle Ärzte zu etablieren – und zwar sowohl für Wahl – als auch für Kassenärzte. Es sollte in jedem Fall gelten, wenn man den Patienten am Land weite Wege zur nächsten diensthabenden Apotheke ersparen kann. Ansonsten sollte der Patient entscheiden, wo er Arzneimittel erhält. Es ist höchst an der Zeit, dass auch bei der Medikamentenversorgung alte Strukturen aufbrechen und der mündige Bürger die freie Wahl erhält.

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