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Prof. DDr. Egon Marth Vorstand des Instituts für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltschutz an der MedUni Graz
 
Standpunkte 24. Oktober 2012

Ambitionierte WHO-Grenzwerte

Viele Menschen werden durch Lärm in ihrem Wohlbefinden ganz entscheidend gestört und es werden zunehmend mehr, die unter dem Lärm leiden. Während viele Luftschadstoffe in ihrer Konzentration abnehmen, beobachten wir beim Lärm eine zunehmende Tendenz. Lärm kann nicht nur das subjektive Wohlbefinden negativ beeinflussen, sondern auch die Gesundheit wahrnehmbar schädigen, wobei die Auswirkungen nicht nur von der Höhe des Lärmpegels abhängen, sondern auch von dessen Frequenz und Inhalt. Zwei große Komplexe von Gesundheitsschäden werden besonders mit Lärm in Zusammenhang gebracht: Herzinfarkt und Hypertonie.

Die Nachtruhe ist für die Regeneration der Menschen von den täglichen Strapazen von entscheidender Bedeutung. Gestörte Nachtruhe, die sich sowohl in Aufweckreaktionen als auch in einer Verschiebung der Schlaftiefen äußert, ist verantwortlich für die Entstehung physischer und psychischer Entgleisungen. Vor allem Kfz-Lärm, Flug-, aber auch Schienenlärm und verstärkt Umgebungslärm stören den Schlaf der Anrainer, wodurch diese manifeste gesundheitliche Schäden in Kauf nehmen müssen. Die WHO hat sich in den letzten Jahren vermehrt mit Lärmproblemen auseinandergesetzt und neue Richtlinien besonders für den Nachtlärm (Night Noise Guidelines) entworfen. Die Behörde wird angehalten, Maßnahmen zu ergreifen, um einen äquivalenten Schallpegel unter LA=40 dB zu erreichen. Wenn man bedenkt, dass an nicht wenigen Objekten Pegel über 55 dB gemessen werden, mag dies ein besonderer Auftrag an unsere Gesellschaft sein, der schwer realisierbar ist. Aus langjähriger Erfahrung kann bestätigt werden, dass Lärm unter 45 dB an vielen Objekten erreichbar und vor allem finanzierbar ist, wodurch auch die Beeinflussung der Gesundheit bei dem Großteil der betroffenen Menschen vernachlässigbar ist. Schallschutzmaßnahmen sind kostenintensiv, deshalb mag diese Aufgabe der allgemeinen Gesellschaft zufallen, dafür zu sorgen, dass alle Menschen in einem Bereich leben können, der dem Gesundheitsbegriff der WHO entspricht.

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