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Dr. Hans Jörg Schelling Vorsitzender des Verbandsvorstandes im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger
 
Standpunkte 18. Oktober 2012

Gesundes Gesamtsystem

Die Sozialversicherung hat ihr Ziel der Kostendämpfung ohne Leistungskürzungen erfolgreich umgesetzt und sogar übererfüllt. Dies ist durch die Bereitschaft der Systempartner und insbesondere auch der Ärzteschaft gelungen, die den Konsolidierungsprozess durch verantwortungsvolle Verhandlungen mitgetragen haben. Im nächsten Schritt sind die Krankenanstalten zu reorganisieren, eine zentrale Planung und Steuerung mit einer Finanzierung aus einem Topf zu schaffen, um schließlich die frei werdenden Mittel in Prävention und Gesundheitsförderung zu investieren.

Ohne umfassende Konsolidierung des Spitalswesens sind für Gesundheitsförderung und Prävention nachhaltig keine neuen Finanzmittel zu generieren. Kommt es zu keinen Reformen, fährt das System mit absoluter Sicherheit gegen die Wand. Die Alternative sind Beitrags- und Steuererhöhungen oder neue Schulden. Deshalb muss an alle Systempartner appelliert werden, nicht die weiteren Schritte vor dem ersten Schritt zu machen: Der Beton muss erst trocknen, bevor das neue Stockwerk von Gesundheitsförderung und Prävention bzw. sinnvollen Verbesserungen für neue Leistungen – etwa im Bereich der psychischen Gesundheit – aufgesetzt wird.

Alle Studien des internationalen Public Health-Sektors ergeben, dass nur 20 Prozent unserer Gesundheit von den Gesundheitsausgaben positiv beeinflusst werden. Bei 80 Prozent spielen vollkommen andere Faktoren eine Rolle, etwa Bildung, Ernährung, Bewegung, Einkommen sowie die private oder die Arbeitssituation. Und: Keine noch so ausgefeilte Idee zeigt Wirkung, wenn die Bevölkerung und Multiplikatoren wie Ärzte und Apotheker davon nicht überzeugt werden können. Es ist eine essenzielle Aufgabe, das Bewusstsein der Bevölkerung zu erhöhen, damit innovative Ideen auch einen effizienten Outcome generieren. Im Mittelpunkt muss die gemeinsame Weiterentwicklung des Gesamtsystems stehen. Denn die älter werdende Bevölkerung und der medizinische Fortschritt zwingen uns angesichts des Reformdrucks zu neuen innovativen Denkansätzen.

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