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© Henke
Dr. Karl Danzinger Allgemeinmediziner in Allentsteig und teilnehmender Arzt am Diabetes-Disease-Management-Programm
 
Standpunkte 8. Oktober 2012

Mehr Zeit für Patienten

Die Reisner-Koalition der Niederösterreichischen Ärztekammer hat jetzt ein Projekt, an dem Ärzte und Patienten freiwillig teilnehmen und dessen Finanzierung gesichert ist, beendet. Das Disease-ManagementProgramm (DMP) wurde abgedreht, ohne Langzeitdaten abzuwarten und ohne den Ärzten und Patienten eine Verbesserung oder zumindest eine Alternative anzubieten.

Dabei war ich zu Beginn des Projektstartes selbst skeptisch in Hinblick auf den zu erwartenden Aufwand. Die auszufüllenden Ziele und Dokumentationen wirkten schwerfällig. Doch diese Schritte ließen sich gut in die Arztsoftware implementieren und der Aufwand hielt sich in Grenzen. Mittlerweile habe ich das Programm schätzen gelernt und würde von einer spürbaren Arbeitserleichterung sprechen. Meine positiven Erfahrungen decken sich auch mit den Daten der Evaluierung: Der Patient wird erstens durch die vereinbarten Behandlungsziele und die individuelle Schulung aktiver in den Behandlungsplan eingebunden und zur Teilnahme motiviert. Wichtige Kontroll-und Routineuntersuchungen werden zweitens häufiger veranlasst. Und drittens kann die – honorierte – Diabetes-Schulung direkt in der Ordination stattfinden, was Patienten Anfahrtswege und Spitalsaufenthalte erspart.

Eine Studie des BMC Public Health zeigte ebenfalls, dass die Betreuung der Patienten im DMP intensiver ist und sich Spitalsaufenthalte – im Vergleich zu nicht DMP-Diabetikern – deutlich reduzieren ließen. Das Argument der zusätzlichen Schulungen ist zahnlos, da wir Ärzte ohnedies zur Fortbildung verpflichtet sind. Letztlich geht es darum, dem Patienten ein gutes Leben in seiner Krankheit zu ermöglichen. Regelmäßige Updates sind eine Chance, diesem Ziel gerecht zu werden.

Wir Ärzte fordern immer mehr Zeit für unsere Patienten! Durch die zusätzliche Honorierung im Rahmen des DMP konnte ich mich meinen Patienten wirklich widmen. Ich werde als Arzt die intensive Betreuung meiner Patienten weiterführen, aber ohne entsprechende Honorierung. Worin genau, liegt eigentlich der Nutzen einer Interessenvertretung?

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