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Mag. Jan Pazourek Generaldirektor der NÖ Gebietskrankenkasse
 
Standpunkte 8. Oktober 2012

Kündigung ist unverständlich

Die Kündigung des erfolgreichen Diabetes-Programmes „Therapie aktiv“ durch die Niederösterreichische Ärztekammer war für uns so überraschend wie unverständlich. Überraschend, weil in keinem vorangegangenen Gespräch mit der Kammer ein konkreter Kritikpunkt respektive Veränderungswünsche mit uns diskutiert wurden. Unverständlich, weil das unter Einbindung der Ärzteschaft entwickelte und durchgeführte Disease-Management-Programm Verbesserung für Ärzte wie für Patienten bietet.

Bei der Kündigung wurde die angeblich mangelnde Freiwilligkeit für Ärzte und Patienten angeführt. Stimmt nicht – die Entscheidung zur Teilnahme steht beiden Seiten frei. Allerdings bedingt die programmimmanente Struktur- und Prozessqualität von Therapie Aktiv – unter Wahrung der ärztlichen Behandlungsfreiheit – Rahmenbedingungen für teilnehmende Ärzte und Patienten durch evidenzbasierte Behandlungsempfehlungen, etwa regelmäßige Untersuchungstermine. Genau diese Struktur ist auch ein wesentlicher Baustein für die – bereits in der kurzen Projektlaufzeit – evaluierte deutlich höhere Untersuchungsfrequenz. Wir investieren damit in diagnostische und therapeutische Sicherheit für Arzt und Patient, aber sicher nicht in „Checklistenmedizin“, wie die Ärztekammer meint. Natürlich gilt die Kasse den erhöhten Betreuungsaufwand durch zusätzliche Honorierung ab. Zudem widersprechen die teilnehmenden Ärzte selbst dem Mythos Bürokratisierung. Just diese Fehlinformationen („enormer administrativer Aufwand“) und Vertragsunsicherheit sehen wir als Hauptgründe für die relativ geringe Teilnehmerzahl der Ärzte – bestand doch seit der ersten ÄK-Vertragskündigung berechtigte Verunsicherung, wie lange das Programm verfügbar ist. Und dass die Zahl der eingeschriebenen Patienten direkt proportional zum Ärzte-Engagement ist, liegt auf der Hand.

Für uns hat in den nächsten Wochen Priorität, dass dieses österreichweit akzeptierte und etablierte Erfolgsprogramm für die teilnehmenden Ärzte und Patienten auch nach dem 31. Dezember in gleich hoher Qualität fortgesetzt wird. Dazu prüfen wir alle Optionen.

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