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Dr.in Sigrid Pilz Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwältin
 
Patientensicherheit 1. Oktober 2012

Patientensicherheit im Belegspital – Eine längst fällige Debatte

Unerwünschte Folgen einer Spitalsbehandlung entstehen nicht selten dadurch, dass sich mehrere Risikopotenziale verbinden. In einem Privatspital ist folgende Rechtslage gegeben: Der Belegarzt ist für den Patienten verantwortlich und haftet auch für die Erfüllungsgehilfen – zum Beispiel Anästhesisten.

Bei postoperativen Komplikationen muss der Belegarzt oder sein Stellvertreter, die beide in der Regel einem Hauptberuf nachgehen, erst gerufen werden. Nachteilige Zeitverzögerungen können dadurch eintreten.

Es ist ein Faktum, dass in Wiener Privatspitälern auch schwere Eingriffe gemacht werden, wie Radikaloperationen bei Unterleibskrebs oder große Darmeingriffe. Nach der Leistungsmatrix des Österreichischen Strukturplans Gesundheit, ÖSG, sollten dafür die nötigen Strukturqualitäten wie Infrastruktur und Personal vorliegen. Aufwachräume mit künstlicher Beatmung oder mancherorts vorhandene IMC-Einheiten, erlauben zwar eine Intensivüberwachungspflege, aber keine Intensivbehandlung.

Eine Intensivdiagnostik und eine Intensivbehandlung müssen bei schweren Komplikationen aber 24 Stunden am Tag verfügbar sein. Bildgebende Verfahren, Speziallabors und Ärzte aller relevanten Fächer sind ebenso unverzichtbar. Daher muss der Patient bei derartigen Komplikationen aus den Privatspitälern in ein Schwerpunktspital, das diese Ressourcen rund um die Uhr anbietet, verlegt werden.

Wenn nicht anders vereinbart, hat das Belegspital die Aufgabe, den Patienten stationär unterzubringen, zu pflegen, die erforderliche Hilfe für den Belegarzt zu stellen und im Notfall zu helfen.

Für den Patienten kann dadurch ein Zuständigkeitsvakuum entstehen: Der Belegarzt ist nicht oder noch nicht vor Ort, die Situation des Patienten wird noch nicht als Notfall interpretiert und daher mit der Einleitung einer Behandlung bis zur Ankunft des Belegarztes zugewartet, wertvolle Zeit geht verloren.

Damit Patienten informiert entscheiden können, ob sie in ein öffentliches oder privates Haus gehen wollen, benötigen sie Informationen darüber, welche Ressourcen generell und beim Auftreten von Komplikationen zur Verfügung stehen. Es muss geklärt sein, in welcher Situation die Verlegung vom privaten in ein öffentliches Spital notwendig ist und in welchem Zeitfenster eine solche Verlegung organisatorisch und personell abgewickelt wird. Die Patienten müssen vor allem sicher sein können, dass die privaten Spitäler nur Operationen durchführen, für die sie bei einem erwartbaren Heilungs- bzw. Komplikationsverlauf auch gerüstet sind.

Um diese Patientensicherheit zu bieten, sind die Privatversicherungen aufgefordert, nur jene Leistungen im Privatspital zu bezahlen, für die dies sichergestellt ist. Die Transferierung sollte vertraglich mit dem öffentlichen Spital geregelt und dessen Vorhaltekosten durch einen angemessenen Beitrag des Belegspitals mitfinanziert werden.

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