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Mag. Martin Peithner, MBA Geschäftsführer Austroplant-Arzneimittel GmbH, Vorstandsmitglied der Pharmig
 
Standpunkte 14. September 2012

Problematische Abgrenzung

Die Natur ist der beste Chemiker. Seit Anbeginn der Menschheit werden Pflanzen zur Heilung von Krankheiten verwendet. Auf der Suche nach neuen Arzneimitteln hat sich die Natur als mit Abstand bester und kreativster Chemiker herauskristallisiert. Nahezu alle Substanzklassen heutiger Arzneimittel haben als Vorlage ihres chemischen Grundgerüstes pflanzliche Inhaltsstoffe als Vorbild.

Schon seit Jahrzehnten forscht die Industrie deshalb systematisch im Bereich der traditionellen Naturmedizin. Nicht selten entstehen aus diesen Forschungen hochmoderne Hightech-Produkte, entweder in Form einer Einzelsubstanz – zum Beispiel Galantamin aus dem Schneeglöckchen – oder als Spezialextrakte pflanzlichen Ursprungs wie etwa Ginkgo biloba-Extrakte. Problematisch ist jedoch oft die Abgrenzung zwischen Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel. Bei hoch angereicherten Extrakten werden natürlich auch – möglicherweise gesundheitsschädliche – Begleitsubstanzen angereichert. Während diese Begleitsubstanzen bei Arzneimitteln sehr aufwendig abgetrennt werden, ist dies bei Nahrungsergänzungsmitteln nicht der Fall. So hat sich zum Beispiel beim jahrhundertelang angewendeten Huflattich herausgestellt, dass dieser extrem krebsfördernde Inhaltsstoffe – sogenannte Pyrrolizidinalkaloide – enthält.

Ähnlich verhält es sich auch beim Beinwell, Kava-Kava und anderen traditionellen Heilpflanzen. In der klassischen, traditionellen Anwendung, zum Beispiel als Tee, ist dies meist nicht weiter problematisch, in hohen Konzentrationen wie sie etwa in Arzneimitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden, jedoch sehr wohl.

Die derzeit laufende Diskussion auf EU-Ebene, in der die Lebensmittelindustrie de facto alle pflanzlichen Produkte mit gesundheitsbezogenen Angaben für sich reklamiert, könnte also zu einer erheblichen Bedrohung für die Gesundheit der Bevölkerung werden – es sei denn, die gleichen Qualitätsrichtlinien und Vorgaben wie für Arzneimittel werden auch für Nahrungsergänzungsmittel angewendet.

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