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Dr. Katharina Pils MZ-Sophienspital, Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie
 
Standpunkte 14. September 2012

Unterstützend, nicht ersetzend

Der Wunsch nach Linderung oder Heilung ist so alt wie die Menschheit selbst. Eine der ersten Sammlungen über die Kenntnisse von heilenden Pflanzen ist die Pharmakopoe. Viele der darin beschriebenen Pflanzen finden wir in alternativen medizinischen Ansätzen und in der Ethnopharmakologie. Für viele Bereiche hat sie durchaus Berechtigung. Vor allem wenn es um „Befindlichkeit“ geht: Schmerz, Unruhe, Stimmungsschwankungen, Verdauungsprobleme und vieles mehr können durch Kräuter, Tees und Lebensstilveränderung positiv beeinflusst werden. Unerwünschte Nebenwirkungen sind seltener, die Akzeptanz durch angenehmere Darreichungsformen größer.

Je komplexer, je genauer zuordenbar, desto wichtiger wird jedoch eine exakte Behandlung der Krankheitsursache. Die moderne Medizin ermöglicht etwa in der Onkologie oder in der Infektiologie ein auf das aktuelle Krankheitsbild zugeschnittenes Behandlungskonzept. Dosierung und Behandlungsdauer können exakt bestimmt und der zu erwartende Erfolg gemessen werden. Die wahrscheinlichen Nebenwirkungen können frühzeitig behandelt werden.

In der Geriatrie sind Ärzte häufig mit multimorbiden Patienten konfrontiert. Das Nebeneinander von mehreren behandlungswürdigen Erkrankungen erfordert genaue Kenntnis von Erfolgswahrscheinlichkeit, Interaktionen und Nebenwirkungen der geplanten medikamentösen Therapie. Die eingeschränkten Abbauprozesse und veränderte Pharmakokinetik spielen eine wesentliche Rolle. Umso wichtiger ist es, über genaue Angaben der Inhaltstoffe, Metabolisierungswege und Dosierung Bescheid zu wissen. Innovative Darreichungsformen verbessern Compliance und Adherence.

Ergänzend sollte das breite Spektrum der nicht medikamentösen Therapie eingesetzt werden. Es reicht vom Training von physischen und kognitiven Fähigkeiten über Lebensstilmodifikation, Ernährungsberatung bis zur Wohnraumadaptierung. Das Wissen der Ethnopharmakotherapie kann die Behandlung geriatrischer Patienten unterstützen, wird aber immer nur einen Teilaspekt abdecken können.

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