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© Uni Graz
Prof. Dr. Rudolf Bauer Leiter des Instituts für Pharmazeutische Wissenschaften der Uni Graz, Chairman „13. Kongress der Internationalen Gesellschaft für Ethnopharmakologie“
 
Standpunkte 14. September 2012

Ethnopharmakologen tagten an der Uni Graz

Das interdisziplinär aufgestellte Forschungsfeld der Ethnopharmakologie beschäftigt sich mit der Dokumentation von traditionellen Arzneimitteln und deren wissenschaftlicher Evaluierung. Nach wie vor vertrauen 60 bis 70 Prozent der Weltbevölkerung auf traditionelle Medizin oder sind sogar als einzige medizinische Versorgung von ihr abhängig. Es handelt sich dabei um wertvolles Erfahrungswissen, das es wissenschaftlich zu evaluieren gilt. Dabei bietet sich die Möglichkeit, Leitstrukturen für neue Arzneimittel zu finden. Nach wie vor stammt etwa die Hälfte unserer Arzneistoffe direkt oder indirekt aus der Natur. Bekannte Beispiele sind Morphin, Atropin oder Galanthamin. Die Hauptschwierigkeit besteht darin, aus den Inhaltsstoffen einer Pflanze die Wirkstoffe herauszufiltern und deren Struktur und Wirkungsmechanismus aufzuklären.

Die Ethnopharmakologie wird derzeit von Asien dominiert, da dort traditionelle Arzneimittel noch einen höheren Stellenwert haben, was man zum Beispiel an der Popularität der TCM erkennen kann. Aber auch in Europa werden viele traditionelle Arzneimittel verwendet. In Österreich wird derzeit in einem vom FWF geförderten Nationalen Forschungsnetzwerk mit dem Titel „Drugs from Nature Targeting Inflammation“ versucht, neue entzündungshemmende Arzneistoffe aus traditionell verwendeten Arzneipflanzen zu finden.

Intensiv wird heute an der Verwendung von Arzneipflanzen und Naturstoffen zur Behandlung und Prävention altersbedingter Beschwerden geforscht. Im Mittelpunkt stehen dabei Diabetes mellitus Typ 2, Arteriosklerose und neurodegenerative Erkrankungen. Dieser Thematik hat sich auch der 13. Kongress der Internationalen Gesellschaft für Ethnopharmakologie gewidmet. Es ging dabei unter anderem um die Anwendung neuer Methoden in der Aufklärung des Wirkmechanismus von Multikomponentengemischen, die sich im Bereich der „omics“-Technologien und der Systembiologie anbieten. Internationale Forschungskooperationen wurden besprochen, zu denen österreichische Forscher substanzielle Beiträge leisten werden.

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