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Standpunkte 27. August 2012

Abkehr vom Abstinenzziel

In den letzten Jahren ist die Zahl der Menschen mit Alkoholabhängigkeit gestiegen. Mehr Jugendliche sind Problemkonsumenten geworden, das Einstiegsalter sinkt. War es vor zehn Jahren noch das 15. Lebensjahr, so liegen wir heute bei elf Jahren. Gleichzeitig sind seit den 1970er-Jahren zunehmend mehr Frauen unter den Betroffenen.

Während sich lange Zeit bei Diagnose und Therapie wenig entwickelt hat, so ist die Situation heute eine andere. Erfasst werden bisher nur jene Menschen, die weit in der Suchterkrankung fortgeschritten sind, was für die Therapie fatale Auswirkungen hat. In Kürze werden jedoch neue amerikanische Leitlinien herausgegeben, wo die Gruppe der problematischen Verbraucher bereits zu den Frühstadien von Erkrankten gerechnet werden. Das heißt, dass dann die Behandlung auch früher einsetzen kann und damit die Behandlungsziele deutlich besser erreicht werden können.

Bisher sind wir davon ausgegangen, dass Alkoholabhängigkeit eine primäre Erkrankung ist. Vieles deutet darauf hin, dass es sich aber um eine sekundäre Erkrankung handelt und wir daher vor einer Situation stehen, dass wir viel mehr ein Gesamtbündel an Erkrankungen zu behandeln haben. So zeigt sich etwa eine hohe Komorbidität bei schwerem depressivem Syndrom oder generalisierten Angststörungen.

All diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass wir am Anton Proksch Institut ein Konzept zur mehrdimensionalen Diagnostik entwickeln. Der Schlüssel zum Erfolg ist hier die ressourcenorientierte Arbeit und die Berücksichtigung der Dynamik beim einzelnen Patienten. Ziel ist es in jeder Phase, die Lebensattraktivität der Betroffenen zu verbessern. Da müssen wir weg vom Einheitspatienten zur personenzentrierten Therapie. Dazu gehört auch mehr Information der Bevölkerung, dass es nicht immer die Abstinenz sein muss, sondern auch ein kompetenter Umgang mit dem Alkohol ein Therapieziel sein kann.

  • Frau Silvia Dietrich, 14.09.2014 um 21:41:

    „Endlich habe ich einen Artikel gefunden, welcher meine Beobachtungen stützt. Wer hat diesen Artikel geschrieben?“

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