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Standpunkte 27. August 2012

Gene und Umwelt

Jeder Mensch verfügt über rund 22.500 Gene. In der Sequenz der Gene unterscheiden sich Menschen untereinander dennoch nur um etwa 0,1 Prozent. Wenn es also so etwas wie eine genetische Anlage für Alkoholismus gibt, dann müsste das in diesen individuellen 0,1 Prozent zu finden sein. Genetiker interessieren sich für diese Frage vor allem, um herauszufinden, wie das veränderte Genmaterial zu einem klinischen Bild führt und ob das Potenzial für eine Suchterkrankung präventiv verhindert werden kann. Tatsache ist, dass wir bisher kein Alkoholabhängigkeitsgen gefunden haben, auch wenn derartige Berichte immer gerne in den Medien kursieren. Dabei handelt es sich aber um eine falsche Interpretation der Ergebnisse von Assoziationsstudien, die bisher keine kausalen Zusammenhänge gezeigt haben, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Suchterkrankung monogenetisch – also von einem Gen abhängig – wäre. Wir wissen aus Daten von Zwillingsstudien, dass Gene im Rahmen von Suchterkrankungen– und da meine ich nicht nur Alkohol– eine Rolle von etwa 50 bis 70 Prozent spielen. Für 30 bis 50 Prozent sind Umweltfaktoren ausschlaggebend, auch hier wissen wir aber nicht genau welche.

Natürlich würden auch wir uns wünschen vorhersagen zu können, wer unbedenklich trinken darf, ohne suchtgefährdet zu sein, und wer nicht.

Mit der schnelleren und billigeren Durchführung von Gentests – unter anderem auch von ausländischen Internetanbietern – stellt sich für uns aber viel eher die Frage, wie wir hier aufklärend und patientenbegleitend agieren können. Denn oft werden Patienten mit Testergebnissen und Wahrscheinlichkeiten konfrontiert, die sie nicht interpretieren können. Zusätzlich stellt sich hier die Frage des Datenschutzes, denn der gilt nach dem Gentechnikgesetz nur dann, wenn die Tests im Inland gemacht wurden.

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