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© Frauengesundheitszentrum
Mag.a Sylvia Groth, MAS Geschäftsführerin des Frauengesundheitszentrums
 
Standpunkte 3. Juli 2012

Wissen macht stark

Gerechtere Gesellschaften sind gesündere Gesellschaften. In Österreich nimmt die gesundheitliche Ungleichheit zu. Der Kampf dagegen muss an den sozialen Determinanten ansetzen, an Arbeit, Bildung, Umwelt, Sozialem und Infrastruktur. Dazu braucht es den klaren politischen Willen über Ressortgrenzen hinweg.

Einen wesentlichen Beitrag zum Gesundheitszustand leistet Bildung. Viele Angebote drängen sich unter das Dach der Gesundheitsbildung, Hobbykurse, Bewegungsangebote, Ernährungsratgeber, spirituelle Angebote, Maßnahmen zur Stärkung der Laienkompetenz, Werbeveranstaltungen für Produkte, Therapien und medizinische Leistungen. Nur wenige davon stärken die Patienten und Konsumenten wirklich.

Gesundheitsförderung ist ein starkes Thema – in den Aus- und Weiterbildungen für gesetzlich geregelte Gesundheitsberufe, aber auch für noch ungeregelte und dem Gewerbe zuzurechnende Tätigkeitsfelder. Der Graubereich ist groß. Vielen Frauen und Männern fällt es schwer zu entscheiden, was gut getarntes Marketing ist und welche Angebote ihre Gesundheitskompetenz tatsächlich stärken. Darauf weisen auch die Ergebnisse einer Untersuchung in acht europäischen Ländern hin: Österreich steht in Sachen Gesundheitskompetenz an vorletzter Stelle.

Was brauchen Versicherte, um ihre Perspektiven und Wünsche in das solidarisch organisierte Gesundheitswesen einzubringen und eine größere Kontrolle über die eigene Lebenssituation zu erlangen? Die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu verstehen und zu hinterfragen, und Wissen über die Gesundheitsversorgung! Voraussetzung dafür ist Lesekompetenz sowie die Fähigkeit, sich unabhängige Informationen zu beschaffen und sie auf die eigene Situation anzuwenden. Das Gesundheitswesen braucht kompetente Versicherte, Patienten und Konsumenten. Es ist Aufgabe der Politik, der Sozialversicherungsträger und des Konsumentenschutzes, Rahmenbedingungen zu schaffen und besonders sozial Benachteiligte zu stärken. Daher sind Bestimmungen und Kontrollmechanismen für Gesundheitsbildung notwendig, um die Versicherten vor Wildwuchs schützen.

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