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Foto: Haiden
Dr. Maria Kletečka-Pulker Geschäftsführerin, Plattform Patientensicherheit & Institut für Ethik und Recht in der Medizin, Universität Wien
 
Standpunkte 29. Juni 2012

Sicherheitsnetz zur Vorbeugung von Vorfällen

Die Methode des Video-Gesundheitsdolmetschens hat in Ländern wie den USA, Kanada und der Schweiz längst erfolgreich Einzug gehalten. In Österreich wird dieses Projekt erstmalig durchgeführt und konnte Vorfälle wie diese vermeiden: Erst jüngst kam es zu einer Haftung eines Trägers einer öffentlichen Krankenanstalt (OGH 11.5.2010, 4 OB 36/10p), weil ein Krankenpfleger dieser Krankenanstalt nicht dafür gesorgt hat, dass ein offensichtlich Erkrankter einem Arzt zur diagnostischen Abklärung zugeführt wurde. Gemäß § 23 Abs 1 KAKuG (Krankenanstalten und Kuranstaltengesetz) darf in öffentlichen Krankenanstalten niemandem die unbedingt notwendige erste ärztliche Hilfe verweigert werden. Zu dieser Haftung hat letztlich geführt, weil der Patient erfolglos versucht hatte, sich verständlich zu machen. Das Beiziehen eines professionellen Dolmetschers ist derzeit häufig mit längeren Wartezeiten und hohen Kosten verbunden, weshalb in den meisten Fällen darauf verzichtet wird. Besonders der ambulante Bereich leidet unter diesen Umständen, da im Notfall meist nicht so rasch auf einen entsprechend für den Gesundheitsbereich qualifizierten Dolmetscher zurückgegriffen werden kann. Das Angebot von Videodolmetsch-Diensten würde deutlich zur Erhöhung der Patientensicherheit und Mitarbeitersicherheit als auch zur Reduktion von Kosten führen. Wichtig ist eine benutzerfreundliche Technik, die rasch zur Verfügung steht. Durch das vermehrte Zurverfügungstellen professionell ausgebildeter Dolmetscher wird ein Sicherheitsnetz zur Vorbeugung von Vorfällen aufgrund sprachlicher und kulturspezifischer Kommunikationsbarrieren eingezogen. So könnten Kosten vermieden werden, die durch Schadenersatzzahlungen auftreten würden. Zur Durchführung des Pilotprojektes ist die Teilnahme von rund 20 Ambulanzen und eine Reihe niedergelassener Praxen geplant.

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