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Foto: HBV
Dr. Christoph Klein Generaldirektor-Stellvertreter, Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger
 
Standpunkte 13. Juni 2012

Strategie zur psychischen Gesundheit

Die immer wieder geforderte „Psychotherapie auf Krankenschein“ gibt es bereits: Die soziale Krankenversicherung erbringt Psychotherapie als Sachleistung im Gegensatz zu bloßen Geldzuschüssen an die Patienten über Verträge mit – in sogenannten Versorgungsvereinen zusammengeschlossenen – Psychotherapeuten, spezialisierten Ambulatorien usw. im Ausmaß von mehr als einer halben Million Stunden jährlich. Damit werden 35.000 Patienten erreicht. Weitere 65.000 Patienten werden von niedergelassenen Psychiatern und Ärzten mit „Psy-Diplom“ mit psychotherapeutischer Medizin versorgt. 30.000 Patienten suchen sich hingegen ihre Psychotherapeuten selbst und nehmen dafür den Kostenzuschuss von 21,80 Euro pro Stunde in Anspruch.

Durchschnittliche Wartezeiten auf die Sachleistungsplätze in den Psychotherapievereinen und Ambulatorien betragen zwischen null und fünf Monate. Trotz der Tatsache, dass mit über 70 Millionen Euro schon heute für die Psycho-Leistungen weit mehr ausgegeben wird, als die Politik via Beitragserhöhung dafür ursprünglich zur Verfügung gestellt hatte und trotz der aktuellen Kostendämpfungsvorgaben der Politik, hat die Sozialversicherung im Februar 2012 eine Strategie zur psychischen Gesundheit beschlossen, in der sie sich neben vielen anderen Themen vornimmt, durch eine Mischung aus weiterem Ausbau und gezielter Steuerung des Sachleistungsangebots die Wartezeiten zu verringern. Vor allem bei Kindern sollen Wartezeiten möglichst generell vermieden werden, um nicht Entwicklungsfenster zu versäumen. Damit alle verfügbaren Mittel im Sachleistungsausbau konzentriert werden, wird übrigens der Kostenzuschuss bewusst nicht erhöht. Gerade bei seelischen Erkrankungen soll der Zugang zur Behandlung niederschwellig sein. Ein weiteres Ziel im Rahmen der Strategie – die in den nächsten Jahren umgesetzt werden soll – ist daher, dass alle Träger zentrale Anlauf- und Informationsstellen über Psychotherapie für ihre Versicherten einrichten, soweit dieses Angebot nicht ohnehin schon vorhanden ist.

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