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Alfred Kovacs Ex-Polizist, Berufsdetektiv und Experte für Deeskalation und Taktik Team-Training im Krankenhaus
 
Standpunkte 30. Mai 2012

Dialog, Deeskalation und Durchsetzung schaffen Sicherheit

Im Krankenhausalltag ist der Umgang mit gewaltbereiten Personen ein zentrales Thema, dem in der Praxis jedoch viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Zu schützen gilt es nicht nur Patienten selbst, sondern auch Angehörige, Besucher und Mitarbeiter im Spital. Da es in österreichischen Gesundheitseinrichtungen keine einheitlichen Ausbildungsrichtlinien, Empfehlungen oder Standards für den Umgang mit gewaltbereiten oder aggressiven Personen gibt, wird meistens individuell nach bestem Wissen und Gewissen vorgegangen. In vielen Deutschen Krankenhäusern wird hingegen auf gezieltes Deeskalationstraining gesetzt, das auf Basis von Erfahrungen im Polizeidienst beruht und sich bereits in der Praxis sehr gut bewährt hat. Die Gründe für Aggression und Gewalt im Spitalsalltag sind vielfältig – meist ist es Stress und Druck, der die Gewaltbereitschaft steigen lässt. Dabei muss es nicht immer „handgreiflich“ werden, auch verbale Angriffe oder drohende Gesten können bereits Strategien zur Deeskalation sinnvoll machen. Und nicht immer sind es Suchtmittelabhängige oder Unterstandslose, die harmlose Situationen zur Eskalation bringen können. Aus Erfahrung weiß ich, dass 90 Prozent der Konflikte durchaus verbal lösbar wären, wenn die Mitarbeiter entsprechend geschult sind, Situationen zu erkennen und folgerichtig zu handeln. Mit Hilfe einer einfachen „3D-Philosopie“ – Dialog, Deeskalation und Durchsetzung – kann bereits das Ziel, Gewalt zu verhindern, erreicht werden. Die Philosophie des „Taktik Team Training“ beruht beispielsweise darauf, dass sich die in einem gemeinsamen Bereich tätigen Personen als Team sehen und die Stärken dieser Teamarbeit auch bei der Bewältigung von Konflikten zur Anwendung bringen. Wissen schafft dafür das nötige Selbstvertrauen, daher sollten Mitarbeiter dringend in Themen wie rechtliche Grundlagen, Täterverhalten, Schutzvorkehrungen und Verteidigungstechnik geschult sein, um im Fall des Falles „richtig“ und damit sicher für alle Beteiligten handeln zu können.

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