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Foto: MEDUNI WIEN
Mag. Roman Wagner Geschäftsführer Austrian Nearmiss Association (ANMA), www.anma.at
 
Standpunkte 30. Mai 2012

Es kann durchaus Vorteile haben, Fehler zuzulassen

Die wesentlichen Ursachen für Fehler im Arbeitsprozess sind mangelnde Berufserfahrung, Ermüdung, Zeitdruck sowie Routine und Ablenkung. Häufig entsteht ein Missverhältnis zwischen eigenem Selbstvertrauen und Erfahrung. Ermüdung beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit. Überall wo besonders lange gearbeitet werden muss, gibt es nachgewiesener Maßen mehr Fehler. Auch Arbeit unter Zeitdruck erhöht die Fehlerrate. Zeitdruck entsteht häufig aus ungeplanten Ereignissen oder wird bewusst in Kauf genommen, um Zeit und Kosten zu sparen. Viele Fehler entstehen, weil die notwendige Aufmerksamkeit fehlt. Es genügen oft geringe Fehler durch Ablenkung, zum Beispiel durch Telefonieren. Es kann aber durchaus Vorteile haben, Fehler zuzulassen, denn schon Henry Ford wusste, dass „Fehlschläge oft erfolgreicher als Erfolge sind“. Fehler kann man weder erlauben noch verbieten! Im Arbeitsalltag gelten Fehler meist als inakzeptabel. Es fehlt in der Praxis an einem angst- und sanktionsfreien Raum zur professionellen Kommunikation über und Analyse von Fehlern und Beinahefehlern. Die Kultur einer Organisation muss ein solches Umfeld schaffen, um Handeln, das zu Fehlern führt, nicht zu strafen, sondern das Potenzial in den begangenen Fehlern zu erkennen. Daher ist es eine zwingende Notwendigkeit, den Umgang mit Fehlern zu systematisieren und eine Fehlerkultur aufzubauen. Respekt, offene Kommunikation, Zuhören und eine schuldzuweisungsfreie Fehlerkultur bilden eine symbiotische Wechselwirkung, die zur Sicherheitskultur einer Organisation wird. Eine erfolgreiche Fehlerkultur setzt eine offene Kommunikation voraus. Dazu besteht meist ein Anreizsystem für das Melden von Fehlern und Beinahefehlern, wie etwa das Fehlermeldesystem CIRS. Eine Unternehmenskultur des Vertrauens und der Offenheit ist ein Wunsch eines jeden Arbeitenden. Dem steht in der Realität in erstaunlich vielen Fällen aber ein anderes Bild gegenüber. Der Arbeitsalltag ist geprägt von Revierdenken, Eigeninteressen und Schuldzuweisungen.

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