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© Bernhard Noll
Dr. Günther Wawrowsky Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte
 
Standpunkte 23. Mai 2012

In dieser Form unbrauchbar

Die Vorgehensweise ist typisch. Eigentlich sollte der Evaluierungsbericht dem Lenkungsausschuss als weitere Diskussionsgrundlage dienen, wird aber sofort von Minister Stöger und Hauptverbandschef Schelling benützt, um die Argumentation in der Öffentlichkeit in die gewünschte Richtung zu drehen.

Die Evaluierungskommission kommt zu dem Schluss, dass eine E-Medikation Vorteile für den Patienten bringt, was mögliche Wechselwirkungen betrifft. Natürlich stimmt das. Die Frage ist nur: Wie gestalte ich das Werkzeug, um es für den Ordinationsalltag auch praxistauglich zu machen. Und genau hier versagt die vorliegende Lösung. Die angebotene Wechselwirkungsanalyse ist in dieser Form jedenfalls unbrauchbar.

Damit man mich nicht falsch versteht: Ich bin nicht gegen die E-Medikation, im Gegenteil: Als niedergelassener Arzt bin ich an einem funktionierenden System interessiert. Es muss aber meinen Alltag erleichtern und beschleunigen, nicht den Betrieb noch zusätzlich aufhalten, wie das augenblicklich der Fall ist. Ein unbrauchbares System einfach zu übernehmen, nur weil es die Apotheker nirgends sonst verkaufen können, das darf nicht sein. Wir haben als Ärztekammer auch intern recherchiert und die an den Pilotprojekten teilnehmenden Ärzte nach ihren Erfahrungen befragt. Das Ergebnis: Die Zeit, die dafür zusätzlich aufgewendet werden muss, ist nicht zumutbar. Große Teile des Systems sind in der Praxis nicht verwendbar. In diesem Sinn kann ein System, das unsere Arbeit behindert, auch für die Patienten nicht gut sein.

Was ich aus Erfahrung befürchte, ist, dass es wieder einmal zum klassischen Schelling-Spiel kommt: Er sagt: „Ja, das werden wir noch alles verbessern und ändern“, aber dann bleibt alles so, wie es ist, und wird schnell und möglichst ohne Diskussionen in Gesetzesform gegossen und damit zum Fakt. Der Minister hat bei vielen Gelegenheiten immer wieder betont, dass E-Medikation ohne die Ärzte nicht funktionieren kann. Da nehme ich ihn beim Wort. Ein gemeinsames Gespräch innerhalb der Steuerungsgruppe ist dringend angesagt.

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